BERUFSBILDUNGSPOLITIK Rezension von: E. Dauenhauer, Berufsbildungspolitik. Berlin, Heidelberg, New York: Springer Verlag 1981, 484 S. In einem gewichtigen Band legt E. Dauenhauer, Inhaber des Lehr¬ stuhls für Wirtschafts- und Arbeitsleh¬ re an der Erziehungswissenschaftli¬ chen Hochschule Rheinland-Pfalz in Mainz, eine Summe seiner berufs¬ pädagogischen Arbeit vor, die nicht zuletzt durch ein weitreichendes En¬ gagement in der wissenschaftlichen Politikberatung in den letzten Jahren bestimmt wurde. In 44 Kapiteln, de¬ nen jeweils ausführliche Schrifttums¬ hinweise vorangestellt sind, wird ein umfassendes Panorama von theoreti¬ schen Grundfragen über Curriculum- probleme und Fragen beruflicher Bil¬ dung für Problemgruppen bis zur in¬ ternationalen Berufsbildungspolitik und Strategien der Zukunftsgestal¬ tung beruflicher Bildung aufgespannt. Eine sehr ausführliche Darstellung gilt den organisatorisch-institutionel¬ len Regelungen der Berufsbildung so¬ wie der Situation der Bildungsfor¬ schung und Politikberatung in der Bundesrepublik. Im grundlegenden ersten Abschnitt sind die Ausführungen zum Qualifika¬ tionsproblem, zum Abstimmungspro¬ blem zwischen Bildungs- und Be¬ schäftigungssystem sowie zu den bil¬ dungsökonomischen Rahmendaten sehr knapp gehalten. Neuere Ansätze im Bereich der Arbeitsökonomie, der Industriesoziologie oder der Bildungs¬ ökonomie und Untersuchungsergeb¬ nisse zum Strukturwandel von Quali¬ fikationserfordernissen, zu Abstim¬ mungsmechanismen am Arbeits¬ markt und im Beschäftigungssystem oder zu Einflußfaktoren des Berufs¬ verlaufs sind hier nur zum Teil und in wenig systematischer Form berück¬ sichtigt. Ein zentraler Streitpunkt der bildungspolitischen Reformdebatte der letzten Jahre, die Finanzierung der beruflichen Bildung, wird auf einer halben Seite praktisch nur erwähnt. Hier, wie bereits an früherer Stelle, klingt das ceterum censeo der Arbeit durch: „Der Lernort Betrieb wurde und wird zunehmend entwertet und damit auch die Chance des unmittel¬ baren Erfahrungserwerbs" (S. 20). Zum beherrschenden Motiv wird diese Eingangsthese im Abschnitt zu den Lernorten beruflicher Bildung. Obwohl „zu vermuten ist, daß mit wachsender Nähe des Bildungsortes zum Verwendungsort (Arbeitsplatz) die Qualität der Bildung tendenziell wächst, und zwar nicht nur im Hin¬ blick auf praktisches Qualifizieren" (S. 116) bleibt die wichtige, in der be¬ rufspädagogischen Literatur mit Ve¬ hemenz diskutierte Frage der Ausbil¬ dung eher am Arbeitsplatz, in Lehr¬ werkstätten, mit betrieblichem Unter¬ richt oder über Berufsschulunterricht bei Dauenhauer in der Darstellung der verschiedenen Lernorte, in der Fest¬ stellung von Tendenzen wachsender Verschulung und „Verstufung" beruf¬ licher Bildung sowie in empirisch nicht belegten Kritikpunkten stecken. (Vgl. dagegen J. Münch u. a.: Interde- pendenz von Lernort-Kombinationen und Output-Qualitäten betrieblicher Berufsausbildung in ausgewählten Berufen, Berlin 1981, zum Aufweis optimaler Kombinationen von schul¬ ähnlicher und arbeitsplatzbezogener Ausbildung, die für die einzelnen Be¬ rufe verschieden sind.) Dem wichti¬ gen Problem der Integration berufli¬ cher und allgemeiner Bildung widmet Dauenhauer zwei Seiten, Fragen der beruflichen Weiterbildung und das ak¬ tuelle Stichwort des Bildungsurlaubs werden noch knapper abgehandelt. Das Kapitel zur Curriculumpolitik führt das Grundmotiv dieses Ab- 125