HOCHSCHULEXPANSION UND BESCHÄFTIGUNG Rezension von: H.-J. Bodenhöfer (Hrsg.), Hochschulexpansion und Beschäftigung. Böhlau-Verlag, Graz - Wien - Köln 1981 Eine Tagung zum Generalthema „Hochschulexpansion und Beschäfti¬ gung" erschien den Veranstaltern an der Universität für Bildungswissen¬ schaften in Klagenfurt u. a. zweckmä¬ ßig, weil „der Zeitpunkt für eine neue Zwischenbilanz gekommen sei" (S. 7) und weil die Forschungsbemühun¬ gen, unter besonderer Berücksichti¬ gung Österreichs, dargestellt werden sollten. Die Tagungsbeiträge liegen nunmehr in einem recht umfangrei¬ chen Band (504 Seiten) vor. Um das sehr breite Thema etwas zu gliedern, hat der Herausgeber in einem Einlei¬ tungskapitel verdienstvoll versucht, einige inhaltliche Schwerpunkte vor¬ zugeben. Zurecht betont Bodenhöfer, daß der in Gang befindliche und sich noch verschärfende Angebotsdruck an Akademikern vielfältige Probleme der Absorption und Anpassung am Arbeitsmarkt auslösen wird. Aller¬ dings meint er, daß die Folgen der Hochschulexpansion in östereich bis¬ lang, und möglicherweise auch in den achtziger Jahren nicht sehr gravierend seien, so daß von einem „importierten Problembewußtsein" gesprochen werden könne. Seit dem Tagungstermin haben sich aber auch in Österreich die Indikato¬ ren für die Arbeitsmarktentwicklung sogar für Akademiker rasch ver¬ schlechtert. Ein neuer Zeitpunkt für eine Zwischenbilanz scheint schon wieder dringlich zu werden. Dabei würde dann wahrscheinlich auch deutlicher werden, daß Vergleiche mit anderen Ländern (und deren Hoch¬ schulbesuchsquoten, Akademiker¬ dichte, Arbeitslosenraten usw.) von sehr geringem Wert für die Beurtei¬ lung der Bewältigung von Arbeits¬ marktungleichgewichten eines Lan¬ des in dessen zeitlicher Entwicklung sein dürften. Wie auch immer die Dimension der Anpassungsprobleme eingeschätzt wird, ist mit dem nächsten program¬ matischen Schritt Bodenhöfers kon¬ form zu gehen: Es sind die Einsatz¬ möglichkeiten und Wirkungen ver¬ schiedener institutioneller Anpas¬ sungsmechanismen zu untersuchen. Dies analytisch abzustützen, dürfte das Hauptanliegen des Buches sein. Trotz einer Fülle interessanter Beiträ¬ ge ist das Gesamtergebnis aus folgen¬ den Gründen nicht ganz zufriedenstel¬ lend: 1. Auch diese Tagung kann natürlich nichts anderes, als den Stand der deutschsprachigen Forschung in diesem Feld reflektieren. Diese For¬ schung ist aber im allgemeinen ein eigenartiges Gemisch aus Soziolo¬ gie, Bildungsökonomie, Politikwis¬ senschaften und Pädagogik. Zum Unterschied von angelsächsischen Untersuchungen, wo mit wesentlich „härteren" statistischen Analysen klare Hypothesen (sozio-, ökono- oder psychometrisch) getestet wer¬ den, herrschen hierzulande viel lok- kerere Ansätze vor. In Ergänzung oder Nachfolge von Manpower Re- quirement bzw. Social Demand An¬ sätzen liegt eine bunte Palette von Verdrängungs-, Um-/Höher-/Dequa- lifizierungs-, Beruflichungs-/Entbe- ruflichungs-, Koppelungs-/Entkop- pelungs-, Penetrations-, Absorp- tions-, Integrations-, Flexibilitätsan¬ sätzen usw. vor. 2. Diese Thesen können nicht anders als mit dem statistischen Material der siebziger Jahre überprüft wer¬ den. Nun mögen zwar damals in der Bundesrepublik mancherorts kriti- 127