sehe Tendenzen sichtbar geworden sein; in Österreich war die Welt des Akademikerarbeitsmarktes noch heil. Die Aussagekraft für das lau¬ fende Jahrzehnt erscheint daher re¬ lativiert. 3. Die Veranstaltung war als Fachta¬ gung angelegt. Bei manchen Aufsät¬ zen wäre es für den Leser vorteilhaft gewesen, sie von vorneherein als politisch-ideologische Beiträge zu deklarieren und sie nicht notdürftig mit Sachaussagen zu verhüllen. Ei¬ ne erfrischende Ausnahme ist der Aufsatz von G. Köhler über „Die bil- dungs- und beschäftigungspoliti¬ schen Positionen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft". Hier wird klar und pragmatisch die poli¬ tische Position unter Berücksichti¬ gung der Rahmenbedingungen (Fi¬ nanzierbarkeit u. ä.) dargelegt. Der Herausgeber gruppierte die 26 Tagungsbeiträge, die hier nicht voll¬ ständig kommentiert werden können, in vier Themenbereiche: I. Hochschulexpansiön und Akademikerarbeitsmarkt Nach einem sehr plastischen Über¬ blick U. Frenzeis über die Prognose¬ praxis und -Verwertung mit Hilfe ei¬ nes der umfassendsten Strukturmo¬ delle für Bildung und Arbeitsmarkt, dem Battelle-IAB-Modell in der Bun¬ desrepublik Deutschland beschreiben F. Landler den Gesamtentwurf und den Schulangebotsteil und R. Dell' Mour den Hochschulsektor des groß konzipierten Simulationsmodells der Akademie der Wissenschaften, das im Endausbaustadium die Teile Bevölke- rungs-, Schul-, Ökonomie- und Ar- beitsmarktmodell integrieren soll. Aus den Langversionen (weniger aus den hier abgedruckten Kurzdarstel¬ lungen) ist ersichtlich, daß das Modell sowohl was die statistische Datenauf¬ bereitung als auch die methodische Durchführung im Rahmen des ge¬ wählten theoretisch-methodischen Konzeptes betrifft, kaum Wünsche of¬ fen läßt. Zu debattieren sind - wie bei allen analogen Untersuchungen - die Auswahl alternativer Modelläufe und die Interpretation der Ergebnisse. So scheint Dell'Mour beispielsweise die Wirkung des Phänomens der Verweil¬ zeit bzw. der „Scheininskribenten" auf Hochschulfinanzierung, Studenten/ Lehrpersonal-Relation und Studien¬ qualität etwas zu harmlos zu schätzen). Nach diesen drei sachlichen Refera¬ ten folgt etwas unvermutet eine Ab¬ handlung von P. Kellermann über „Bildungsexpansion, Universitätsent¬ wicklung und Hochschulzugang: Das Beispiel der Universität Klagenfurt". Der Beitrag enthält eine Fülle von apodiktischen Behauptungen („Bil¬ dung kann aus sich heraus die ökono- misch-produktive Beschäftigung nicht erweitern", S. 69 [Wachstums¬ beitrag von Bildung ?], „Die Entwick¬ lung von [Arbeits-]Märkten kann auf die qualifikatorische Beschaffenheit von Individuen nicht zurückgeführt werden", S. 69, „Die in Beschäfti- gungslosigkeit angelegte aufrühreri¬ sche Energie wird durch den Glauben an den Tauschwert formaler Bildung, deren Erwerb großer Anstrengungen bedarf, gebunden", S. 83). Zum Thema des Untertitels wird nur sehr Spärli¬ ches ausgesagt. Im Gegensatz zu die¬ ser wortgewaltigen soziologischen Stellungnahme präsentiert H. Steg¬ mann vom IAB nüchterne Daten zur Entwicklung des Hochschulzuganges in Deutschland und Befunde, die zu¬ künftig eher eine gleichbleibende Stu¬ dierquote (von 75%) erwarten lassen. Die folgenden fünf Beiträge sind dem Zusammenhang von Hochschul¬ abgang und Berufswahl gewidmet. Außer bei Pichelmann/Wagner wer¬ den als empirische Quelle Befragun¬ gen bei Studien- bzw. Fachhochschul¬ abgängern herangezogen. Aus der em¬ pirischen Sozialforschung ist hinläng¬ lich bekannt, daß es oft recht irrefüh¬ rend sein kann, Verhalten oder Ver¬ haltensabsichten einfach abzufragen. 128