Diesem Vorwurf sind auch die vorlie¬ genden Fragen zur Berufsorientie¬ rung, zum Übergangsverhalten Hoch- schule/Beruf usw. ausgesetzt. Vor al¬ lem werden keine Theorien mit um¬ fassenden Bezug (Humankapital-, Screening- oder Segmentierungstheo¬ rien z. B.) getestet. Zwar mögen einfa¬ che oder mehrdimensionale Auszäh¬ lungen interessante Einblicke in Ver¬ haltensmuster gestatten (bei A. Funke, P. Kellermann, G. Burkart fehlen bei deren „Datendurchsicht" [S. 127] so¬ gar statistische Signifikanztests); dies kann jedoch nicht die erforderliche Analyse ersetzen, bei der die wechsel¬ seitigen Einflüsse der erfragten Varia¬ blen in einem expliziten Verhaltens¬ modell erforscht werden. Typologien des Arbeitsmarktverhaltens, wie in der Clusteranalyse des ÖIBF oder den Histogrammen von H. Griesbach/ C. Birk sind aufschlußreiche Schritte auf dem Weg dorthin. Der Aufsatz von M. Kaiser ist ein Auszug aus einer gewaltigen empirischen Erhebung über die Absorption von Fachhoch¬ schulabsolventen, wobei Umstruk- turierungs-, Verdrängungs- und Inno¬ vationshypothesen mit Hilfe einer Verbindung von Flexibilitätsansatz und Qualifikationsforschung geprüft werden. K. Pichelmann/M. Wagner de¬ monstrieren, wie man selbst mit ei¬ nem bescheidenen Datenmaterial (Mi¬ krozensus) neuere Arbeitsmarkttheo¬ rien anwenden kann. Allerdings erlau¬ ben die angeführten Indizien für Aspekte eines nicht-walrasianischen Arbeitsmarktes noch keine Schlüsse auf die Funktionsweise des betreffen¬ den Akademikerarbeitsmarktes insge¬ samt, so daß Untersuchungen dieses Typs mit einer umfassenden statisti¬ schen Basis wünschenswert wären. II. Beschäftigungsstruktur und Akademikerbeschäftigung Die Beiträge zu diesem Themenbe¬ reich sind recht heterogen. D. Här¬ tung weist deutlich auf die Grenzen der Aufnahmefähigkeit für Akademi¬ ker in traditionellen Bereichen des Beschäftigungssystems hin, was na¬ turgemäß Fragen provoziert, die mit den üblichen Strukturmodellen extra- polativer Art nicht mehr behandelt werden können (das erwähnt übrigens auch F. Landler, S. 48). Der Aufsatz von L. Lassnigg ist ein Beispiel dafür, wie sehr forsche (ideologisch vorge¬ faßte?) Meinungen mit nur sehr dün¬ ner empirischer Evidenz bekräftigt werden. Im herangezogenen Daten¬ material des Mikrozensus gibt es z. B. keine Merkmalskombination Bildung - Einkommen - Status. Dennoch wird formuliert: „Ohne Zweifel gibt es also einen engen Zusammenhang zwi¬ schen erreichtem Status und Bil¬ dungsabschluß" (S. 225). Für die Inha¬ ber gehobener Statuspositionen wird ausgeführt: „Für die insgesamt ver¬ gleichsweise erfreuliche Arbeit wird man in diesen Positionen auch noch weitaus besser bezahlt". Zur „AbStüt¬ zung" werden völlig inadäquate Stati¬ stiken (Haushalts-Bruttoeinkommen, Gehaltsstufenstatistik), bei denen eine Gliederung nach Alter und Bildung fehlt, herangezogen, der mögliche Ef¬ fekt von aufgewendeten Kosten zur späteren Einkommenserzielung wird ebenso wie andere Einflußgrößen ver¬ nachlässigt (dies würde dem Earnings Function Approach entsprechen). P. Wolfmeyer/J. Wanken belegen an¬ hand der amtlichen deutschen Stati¬ stik eindrucksvoU den Trend zur Hö¬ herqualifizierung der Erwerbstätigen zwischen 1961 und 1978. H.-J. Boden- höfer liefert leider den einzigen Bei¬ trag in diesem Band, der sich mit der Nachfrage nach hochqualifizierten Ar¬ beitskräften durch Unternehmen be¬ faßt. Dabei wird das Schwergewicht auf Unternehmensziele, Betriebsorga¬ nisation und Technologie gelegt, Fak¬ toren also, die in den bisherigen Ar- beitskräftenachfragefunktionen nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Die quantitative Operationalisierbar- keit dieses entworfenen Untersu¬ chungskonzeptes dürfte jedoch 129