Theodor Prager und Philipp Rieger Theodor Prager und Philipp Rieger lernten einander beim Fackelzug der Jugendorganisationen der Sozialdemokratischen Partei am Vor¬ abend des 1. Mai 1932, zu einer Zeit also, in der das Ende der Demokra¬ tie in Österreich heraufdämmerte, kennen. Ihre Lebenswege weisen bemerkenswerte Parallelen auf, haben sich voneinander entfernt und immer wieder in vielfältiger Weise gekreuzt. *** Theodor Prager wurde am 17. Mai 1917 in Wien geboren. 1932 trat er der Vereinigung sozialistischer Mittelschüler bei. 1934 wurde er wegen Flugzettelverteilung zu einer Polizeistrafe verurteilt, die nicht nur mit vier Wochen Arrest verbunden war, sondern den Ausschluß von allen österreichischen Mittelschulen nach sich zog. Als Prager 1935 wiederum durch die Polizei verfolgt wurde, entschloß er sich zur Emigration nach England. Den Mittelschulabschluß, der ihm in Österreich versagt worden war, holte er in London nach und studierte anschließend an der London School of Economics (LSE). 1939 erwarb er das Bach, of Commerce-Degree (1* Class). Stipendien ermöglichten ihm das Weiterstudieren an der nach Cambridge übersiedelten LSE. 1940 wurde Theodor Prager als „enemy alien" zunächst auf der Insel Man interniert und bald darauf nach Kanada deportiert. Nach der Entlassung 1941 konnte er sein Studium fortsetzen und graduierte 1943 als Ph. D. (später nostrifiziert als Dr. rer. comm.) mit einer Dissertation über „German Banking in Depression and Reco¬ very". Seine Berufslaufbahn begann Prager am Londoner „PEP", dem Institut für „Political and Economic Planning", dessen Mitarbeiter er bis 1945 war. Er war Vorsitzender der National Union of Austrian Students in GB und Mitglied der Association of Scientific Workers. Vor seiner Emigra¬ tion nach England war Prager dem Kommunistischen Jugendverband beigetreten. Bald nach dem Wiedererstehen Österreichs - noch im Jahre 1945 - kehrte Prager nach Wien zurück und war seit 1946 als (angestellter) Mitarbeiter des Zentralkomitees der KPÖ tätig. Als Wirt¬ schaftsexperte wurde er 1947 in der Wiener Kammer für Arbeiter und Angestellte Kammerrat der KPÖ, deren Zentralkomitee er später ange¬ hörte. Nachdem er 1959 als Kammerrat ausgeschieden war, wurde er 1963 Mitarbeiter der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der Wie¬ ner Arbeiterkammer, in der er seither tätig ist. Durch seine zahlreichen Publikationen erlangte Prager internationale Anerkennung als marxi¬ stischer Ökonom. Seine vielfach unorthodoxen Ansichten und Einschätzungen waren häufig Gegenstand intensiver Diskussionen. Sein Engagement für den „Prager Frühling" im Rahmen der Reformer-Gruppe, der Ernst Fischer, Franz Marek, Leopold Spira und andere langjährige politische Wegge¬ fährten Pragers angehörten, führte zur Entzweiung und schließlich zum 149