Stagflation: Was bleibt von der Phillipskurve? K. W. Rothschild „Über die fatale Macht alter Denkge¬ wohnheiten ist schon oft sinniert wor¬ den; im konkreten Fall ist es darum nicht leichter, sie zu durchbrechen" (Theodor Prager)* I Vor nahezu einem Vierteljahrhundert, im Jahre 1958, erschien jener berühmte Aufsatz von Phillips1, der die Grundlage für die seither in unzähligen wirtschaftstheoretischen wie wirtschaftspolitischen Schrif¬ ten und Debatten herumgeisternde Phillipskurve bildete. Dieser Auf¬ satz war alles andere als sensationell. Er zeigte an Hand langjähriger, wenn auch nicht absolut verläßlicher Daten, daß zwischen Lohninfla¬ tion und Arbeitslosigkeit ein inverser Zusammenhang besteht: je höher die Inflationsrate, desto niedriger normalerweise die Arbeitslosigkeit und umgekehrt. Diese Erkenntnis war nicht nur nicht neu - sie war schon früher in theoretischen und ökonometrischen Studien ohne großes Tam-tam berücksichtigt worden2 sie ist auch ohne großes ökonomisches Wissen für jedermann einleuchtend. Denn es entsprach einer langjährigen Erfahrung, daß im Auf und Ab des Konjunktur¬ zyklus Preise, Löhne und Beschäftigung eine parallele Tendenz zu Auf- und Abwärtsbewegungen haben. Dies genügt, um den stipulierten Zusammenhang zwischen Lohninflation und Arbeitslosigkeit plausibel zu machen. * Konkurrenz und Konvergenz, Wien 1972, S. 11. 183