Planung im Wachstumszyklus Günther Chaloupek I. Was ist „Planung"? Der frühere amerikanische Arbeitsminister John Dunlop machte einmal die Bemerkung, „über Planung sei schwer zu diskutieren, weil fast niemand wisse, was damit gemeint sei1." Er wollte damit wohl nicht nur auf die Verständigungsschwierigkeiten im Bereich der politischen Diskussion anspielen, sondern hatte als Ökonomieprofessor sicher auch die Schwierigkeiten der Fachwissenschaft mit dem Begriff der Planung vor Augen. Was Wirtschaftsplanung in den sog. „zentralgeplanten Wirtschaften" bedeutet, ist relativ leicht zu umschreiben. Als höchst mühsam stellt sich hingegen jeder Versuch heraus, einigermaßen trennscharf zu definieren, was Planung in marktwirtschaftlichen Systemen beinhaltet. Die offizielle Terminologie in verschiedenen Staaten ist eher verwirrend als hilfreich, da mitunter simple Kurzfrist-Prognosen ebenso als „Plan" bezeichnet werden wie etwa die französischen Fünfjahrespläne. Auch in der umfangsmäßig im Verhältnis zu anderen Themenbereichen nicht sehr bedeutenden Literatur über Planung hat sich kein auch nur halbwegs einheitlicher Planungsbegriff herausgebildet; ja es hat sogar den Anschein, als ob der Frage nach dem Begriffsinhalt eher ausgewi¬ chen wird. Es würde bei weitem den Rahmen dieses Beitrages sprengen, hier eine ausgefeilte Definition des Begriffs der volkswirtschaftlichen, i. e. makroökonomischen Planung zu geben. Nach dem deiktischen Verfah¬ ren sei zunächst negativ gesagt, daß das Vorhandensein einer amtlichen Wirtschaftsprognose mit dem Titel „Plan" noch nicht bedeutet, daß in jenem Lande tatsächlich makroökonomische Planung praktiziert wird; auch dann nicht, wenn das Prognoseinstitut „Planbüro" oder ähnlich 225