Zwischen Machbarkeit und Machtlosigkeit Ernst Veselsky In Zeiten wie diesen mag es an der Zeit sein, vor dem Hintergrund der Nachkriegserfahrungen und -Enttäuschungen die Wirtschaftspolitik als wissenschaftlich scheinbar fundiertesten Teilbereich der Politik auf ihre Leistungsfähigkeit zu überdenken. Dazu fühle ich mich gerade aus Anlaß des Anlasses dieses Sammelbandes angesprochen. Die Evaluierung der Nachkriegs-Wirtschaftspolitik erfordert mehr als einen nationalen Standpunkt. Schließlich ist es nach dem 2. Weltkrieg zu einer weltwirtschaftlichen Öffnung vor allem der westlichen Natio¬ nalwirtschaften einerseits, aber auch zu in hohem Maße miteinander zusammenhängenden Entwicklungen in den östlichen Volkswirtschaf¬ ten gekommen. Wer die Wirtschaftspolitik der letzten 37 Jahre zum Betrachtungsgegenstand macht, muß vor dem Hintergrund der wirt¬ schaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen auch die Ideologien und intelektuellen Strömungen berücksichtigen: Die Verwobenheit von Praxis und Theorie setzt die Kenntnis beider oder zumindest ein Minimum an substantiellen Einsichten in beide Bereiche voraus. Im Rahmen dieses zur Kürze verpflichtenden Beitrages kann selbst¬ verständlich nur in unzureichendem Maße den wissenschaftlichen Ansprüchen an eine fundierte Behandlung des sicherlich herausfor¬ dernden Themas Genüge getan werden. Dennoch den Versuch, und zwar unter Verzicht auf Zitierungen und Geschlossenheit der Darstel¬ lung, zu wagen, mag jedoch für einen Autor, der wie ich Jahrzehnte mit der Materie wissenschaftlich und praktisch konfrontiert ist und auch internationale Zusammenhänge kennenlernen durfte, legitim sein. Thesen zur Wirtschaftspolitik: 1. Das bisherige Wachstumswunder war nur in geringem Maße ein Produkt bewußter Wachstumspolitik 2. Die Vermeidung schwerer konjunktureller Rückschläge war nur in geringem Maße ein Produkt der Konjunkturpolitik 367