3. Die Verteilungspolitik erzielte bloß marginale Erfolge 4. Die Grenzen einer erfolgversprechenden Ablaufpolitik sind in den meisten Bereichen objektiv erreicht 5. Weltweite Probleme sind in Zukunft auf nationaler Ebene nicht zu lösen 6. Ablaufpolitik in Zukunft auf der Basis internationaler Abstimmung einsetzbar 7. Neue Weltwirtschaftsordnung unverzichtbar 8. Vergesellschaftung des technischen Fortschrittes erforderlich 9. Internalisierung der Ökologie notwendig 10. Bewältigung des gesellschaftlichen Akzeptanzproblems wohlfahrts¬ staatlicher Einrichtungen unerläßlich Die nicht wegzuleugnenden weltwirtschaftlichen Erfolge der 37jähri- gen Nachkriegsgeschichte kamen nicht von ungefähr. Auf der Basis eines durch Weltwirtschaftskrise und kriegswirtschaftliche Entwick¬ lungen zurückgestauten Nachholbedarfs sowie eines europäischen und japanischen Wiederaufbaubedarfs konnte ein technologisches Innova¬ tionspotential wirksam werden, das durch technische, wirtschaftliche und organisatorische Kriegsanstrengungen in besonderem Maße ange¬ reichert worden war. Der institutionelle Rahmen war mit Gründung des Weltwährungsfonds, der Vereinten Nationen und des GATT innovativ neu gestaltet worden und bot ein hinreichendes Maß an politischer ebenso wie währungs- und handelspolitischer Überschaubarkeit und Sicherheit. Nach erfolgreichem Wiederaufbau schickte sich sogar der Osten an, den Westen auf wirtschaftlichem Gebiet zu einer Leistungs¬ konkurrenz aufzufordern. Nicht zuletzt befruchtete auch die Dekolonia- lisierung denWelthandel. Nicht nur rückschauend konnte der Eindruck entstehen, als ob die Setzung einiger weniger weltwirtschaftlicher Ordnungselemente ausgereicht hätte, ein gleichsam naturgesetzliches Wirtschaftswachstum zu ermöglichen, dessen Motor das einzelwirt¬ schaftliche Gewinnstreben war. In dem Maße, als das Sein das Bewußtsein schafft, begann die Nationalökonomie sich mit Theorie und Politik des Wirtschaftswachs¬ tums zu beschäftigen und die Politik der Regierungen rezipierte dieses Gedankengut mehr oder minder ausdrücklich. Das Interesse der Regie¬ renden war ein evidentes, bot doch rasches Wirtschaftswachstum, das beinahe selbsttätige perpetuum mobile, die Möglichkeit, nationale Entwicklungsrückstände aufzuholen und die soziale Frage schmerzlos zu beantworten. Rasches Wirtschaftswachstum hatte nebenbei zur Folge, daß der Konjunkturverlauf flacher und entdramatisiert wurde. Das Wissen um Vollbeschäftigungstheorie und -politik hatte es schon zuvor gegeben. In dem Maße, als es sich verbreitete und von mehr und mehr Staaten rezipiert wurde, machte auch das Wort: „Konjunkturen sind nicht mehr unser Schicksal, sondern unser Wille" international die Runde. Die Tatsache raschen Wirtschaftswachstums bei Vollbeschäftigung und die Verfügbarkeit von Wachstums- sowie Vollbeschäftigungstheorie und -politik ließen beides, nämlich Realität und Theorie als Einheit, mehr 368