Reorganisation der Erfüllung gesellschaftlicher Aufgaben durch den Staat - Eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Verwaltung und Bürgern* Egon Matzner Die siebziger Jahre waren Jahre eines beginnenden Umbruches, der durch das intensivierte Auftreten alter und das Auftauchen neuer Probleme zu kennzeichnen ist. Wir können weltweit beobachten - die Wiederkehr von Massenarbeitslosigkeit und hohen Inflationsra¬ ten, die ihrerseits in vielen Ländern das Realeinkommen großer Gruppen verringern; - den Bruch des Wachstumstempos in den meisten OECD-Ländern, der in manchen sich sogar zur Stagnation verhärtet; - die krisenartige Entwicklung bei der Versorgung mit Energie und das Bewußtwerden der Gefährdungen der natürlichen Umwelt durch die zivilisatorische Entwicklung; - die Akzentuierung der Unterversorgung von großen, schwer organi¬ sationsfähigen Gruppen, wie der kinderreichen Familien, der Behin¬ derten und anderer „nicht produktionsrelevanten" Menschen, die die „Neue soziale Frage" ausmachen; - die Bewußtseinsänderung, die den gängigen, aufs Materielle verkürz¬ ten Fortschrittsbegriff in Frage stellen und tiefreichende Auswirkun¬ gen auf das Selbstverständnis der Wissenschafter und anderer Träger des Fortschritts in Frage stellen und vor dem Verständnis dessen, was Aufgabe des Staates sein kann, nicht halt macht; - die abnehmende Integrationsfähigkeit der die Gesellschaft regulie¬ renden Institutionen, also politischer Parteien, Interessensorganisa- tionen usw.; - die abnehmende Identifikation, insbesondere sensibler Teile der * Die folgenden Überlegungen sind Ausfluß einer größeren Arbeit, die unter dem Titel „Der Wohlfahrtsstaat von morgen. Entwurf eines zeitgemäßen Musters staatlicher Interventionen" im österreichischen Bundesverlag (Wien 1982) erschienen ist. 447