bewirkt, sondern die wachsende Apathie und Entfremdung breiter Teile der Bevölkerung. Zeichnet sich nun eine ähnliche Entwicklung auch im Westen in den kommenden Jahrzehnten ab? Niemand wird die Möglichkeit einer solchen Entwicklung leugnen können. Machtbewußte, hierarchisch geordnete Bürokratien neigen dazu, sich Privilegien zu arrogieren und sich gegen eine Kontrolle von „unten" durch institutionelle Barrieren abzuschirmen. Dieser Gefahr kann man nur dadurch begegnen, daß man Organe der Mitbestimmung auf allen Ebenen der politischen Willensbildung ins Leben ruft. Bruno Kreisky hat in einem Kommentar zum jüngsten Parteiprogramm von der Notwendigkeit der demokratischen Durchflutung aller gesellschaft¬ lichen Sphären gesprochen. In der sich immer stärker herausbildenden Dienstleistungsgesellschaft wird die kontinuierliche und systematische Erweiterung unserer demokratischen Institutionen und Lebensformen der Garant dafür sein, daß wachsender Wohlstand mit größerer indivi¬ dueller Freiheit einhergeht, und umgekehrt, daß zunehmende Freiheit auch mit einem Plus an Wohlstand verbunden sein kann. Es scheint nicht überflüssig hinzuzufügen, daß gesellschaftlicher Wohlstand nicht notwendigerweise an der Zahl der konsumierbaren Güter, sondern weit eher an dem Ausmaß der verfügbaren Freizeit erkennbar und vielleicht auch meßbar ist. Um mit einem Wort von Karl Marx zu schließen: „Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion." (Das Kapital, Volksausgabe, Berlin 1949, Bd. III, S. 873) 400