„Krise des Steuerstaats" Schumpeters Beitrag zur politischen Ökonomie der Staatsfinanzen - Ein Nachtrag zum hundertsten Geburtstag von J. A. Schumpeter 1983* Rudolf Hickel „Niemals sollte man eigentlich sagen: Der Staat tut das oder jenes. Immer kommt es darauf an zu erkennen, wer oder wessen Interesse es ist, der oder das die Staatsmaschine in Bewegung setzt und aus ihr spricht" J. A. Schumpeter (1918, 1976, S. 377)1 1. Schumpeters „Krise des Steuerstaats" - Ein verdrängtes Paradigma Schumpeters innovativer Beitrag zur „Politischen Ökonomie der Staatsfinanzen" gehört zu den bestgehütetsten Geheimnissen der brei¬ ten Lehrbuch-Finanzwissenschaft. Die vorherrschende Finanzwissen¬ schaft, die nahezu verbindungslos eine entscheidungsorientierte Lehre staatlichen Handelns im engen Korsett der allgemeinen Gleichge¬ wichtstheorie einer Darstellung von öffentlichen Finanzierungstechni¬ ken - ohne explizite Problematisierung der institutionellen Vorausset¬ zungen gegenüberstellt, gibt kaum einen Zugang zu einer historisch fundierten Rekonstruktion staatlichen Handelns aus den ökonomi¬ schen Strukturen zu erkennen. Dieser Ansatz einer Verknüpfung ökonomischer und staatlicher Strukturen firmiert allenthalben unter der fachsystematischen Rubrik „Finanzsoziologie", die für die heutige Finanzwissenschaft keine Rolle mehr spielt. So darf es auch nicht *) Dieser Beitrag basiert auf einem Referat, das anläßlich eines „Schumpeter-Kollo- quiums" (durchgeführt von Prof. Dr. K.-G. Zinn) an der RWTH Aachen am 28. Oktober 1983 gehalten wurde. ') Zitate aus Schumpeters Buch „Krise des Steuerstaats" stammen aus der Neuauflage von 1976 und werden direkt mit einer Seitenangabe versehen. 401