zuzustimmen, die diese Inflationsrate in den Griff gebracht hätte. Sie zogen dann mit großem Stimmaufwand gegen den Preisauftrieb zu Felde, machten die überhöhten Staatsausgaben und die Macht der Gewerkschaften dafür verantwortlich und mobilisierten die öffentliche Meinung für eine restriktive Geldpolitik, für drastische Kürzungen bei den Sozialausgaben und für eine Beendigung der Indexbindung. Der Wahlsieg Reagans stellt einen Triumph für diese politischen Vorstellun¬ gen dar. Ich glaube, daß man die Politik des Kabinetts Reagan durchaus als ganz gezielten und zumindest vorübergehend sehr erfolgreichen Versuch interpretieren kann, die Arbeiterschaft zu disziplinieren und zwei Jahrzehnte Sozialpolitik auszulöschen, die in gewissem Ausmaß zu einer ausgeglicheneren Einkommens- und Machtverteilung geführt hatte. Die durch die Erhöhung der Energiepreise, durch den technologi¬ schen Fortschritt und die verschärfte internationale Konkurrenz not¬ wendig gewordenen Anpassungsvorgänge sollten von den Marktkräf¬ ten effektuiert werden. Im Jahre 1981 sagte das Wirtschaftsjournal „Businessweek" vorausschauend, daß die Entwicklung in den achtziger Jahren zu einem Husarenritt für den amerikanischen Kapitalismus werden könnte, zu einem Ritt, den das Wirtschafts- und Gesellschafts¬ system vielleicht nicht überstehen würde. In dem von „Businessweek" entworfenen Zukunftsbild zersplittert die amerikanische Wirtschaft in disparate Segmente, die immer weniger einer wirtschaftlichen Globalsteuerung zugänglich sind. Ein uneinheit¬ licher Konjunkturverlauf wird zur Regel. Neue Regionalkonflikte, eine rasche Verschärfung der Diskrepanzen in der Einkommens- und Ver¬ mögensverteilung spalten die Vereinigten Staaten in ein Volk der Besitzenden und ein Volk der Habenichtse. Mit der Abnahme von hochbezahlten Arbeitsplätzen in der Industrie kommt es in zunehmen¬ dem Maß zu einer Fragmentierung der Arbeiterschaft. Die tatsächlichen Ereignisse der Jahre 1982/83 stellen eine Bestätigung für diese Prognose dar. Es kommt zur Entwicklung von gespaltenen Konsummärkten, da ein Viertel der Haushalte über die Hälfte des disponiblen Einkommens verfügt. Im Nordosten und Mittelwesten der Vereinigten Staaten ist es schlagartig zur Verlagerung von Kapital und Arbeitsplätzen gekom¬ men, die zu struktureller Arbeitslosigkeit, zum Verfall von Städten und zur Preisgabe von Infrastruktureinrichtungen führte. Eine mächtige Bewegung zur Schwächung oder Eliminierung der Gewerkschaften, die von den durch Reagan ernannten Mitgliedern des National Labor Relations Board ermutigt wird, hat großen Erfolg. Demoralisierten Arbeitern, die um ihre Arbeitsplätze bangen, werden Lohnsenkungen und Änderungen in den Arbeitsvorschriften aufgezwungen. Das Kon¬ kursrecht wird ganz offen dafür verwendet, die Gewerkschaften in die Knie zu zwingen. Es ist durchaus nicht ausgemacht, daß ein derartiger „Anpassungsprozeß" die Gesamtleistung und Stabilität der amerikani¬ schen Wirtschaft (im Unterschied zum Abschneiden einzelner Sektoren und Firmen) verbessern und das Wirtschaftswachstum davon profitie¬ ren wird. Das wäre selbst dann fraglich, wenn dieser Prozeß von der öffentlichen Meinung getragen, durch eine allgemein akzeptierte Philo- 332