Der Alternativsektor - Produktion zwischen Utopie und Notwendigkeit: Das Beispiel Berlins Franz-Josef Bartsch und Dieter Rulf Seit Mitte der 70er Jahre ist die Zahl der Betriebe und Projekte, die aus der sog. Alternativbewegung hervorgehen, so gewachsen, daß von einem eigenen Wirtschaftssektor gesprochen werden kann. Während in anderen Bereichen verstärkt Arbeitsplätze abgebaut wurden, sind im Alternativsektor zunehmend neue Arbeitsplätze entstanden. Am Bei¬ spiel Berlins sind wir der Frage nachgegangen, welchen Beitrag alterna¬ tiv-ökonomische Betriebe (im folgenden auch selbstverwaltete Betriebe genannt) zur Bekämpfung der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit leisten, und unter welchen Bedingungen die Beschäftigungseffekte noch erhöht werden können1. Um die beschäftigungspolitische Bedeutung dieses Sektors und die in ihm liegenden Entwicklungspotentiale erfassen zu können, müssen die wesentlichen Charakteristika alternativen Wirtschaftens berück¬ sichtigt werden. Diese resultieren aus dem - im Gegensatz bzw. in Ergänzung zum rein marktorientierten Wirtschaften - veränderten Verständnis, welches die Mitarbeiter/innen alternativer Betriebe in bezug auf die Form und den Inhalt ihres Arbeitsprozesses haben: Zum einen sollen neue Arbeitsplätze selbst geschaffen werden. Zum anderen sollen durch die Einführung neuer Organisations- und Arbeits¬ formen, sowie durch die Orientierung der Produktion an gesellschaft¬ lich nützlichen Produkten Arbeitszusammenhänge entwickelt werden, die eigene und selbstbestimmte Lebensformen ermöglichen. Beabsich¬ tigt ist, die von der Alternativbewegung an den Erscheinungsformen der modernen Industriegesellschaft geübte Kritik, welche sich vor allem an den gesellschaftlichen und sozialen Kosten einer gewinn- 353