auf, denen eine grobe Typisierung wie die obige nicht Rech­ nung tragen kann. Zudem veränderten sich die realen Ver­ handlungssysteme während der siebziger und achtziger Jahre, näherten sich mehr dem integrierten oder mehr dem fragmentierten Typ. Für eine allgemeine Diskussion der Wirkungsweisen von Verhandlungssystemen ist eine grobe Typisierung jedoch sinnvoll. Herausforderung durch die Ölschocks Die Leistungs- und Anpassungsfähigkeit dieser beiden institutionellen Systeme wurde seit Mitte der siebziger Jahre insbesondere durch die beiden Energiepreisschocks auf die Probe gestellt. Die Folgen dieser exogenen Angebotsschocks waren jeweils ein importierter Inflationsschub, die Ver­ schlechterung der Terms of Trade und eine Verlangsamung des Produktivitätsfortschritts. Für die Einkommenspolitik bedeutete dies, daß sich der in bezug auf die funktionelle Einkommensverteilung neutrale "Reallohnspielraum", der dem um den Terms-of-Trade-Effekt bereinigten Zuwachs der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität entspricht, ver­ ringerte. Da der tatsächliche Reallohnzuwachs unmittelbar nach den Schocks diesen eingeengten "Reallohnspielraum" überschritt, standen die einkommenspolitischen Akteure vor der unangenehmen Aufgabe, die entstandene positive "Real­ lohnposition" (real wage gap) möglichst rasch abzubauen. Vergleichende Untersuchungen, darunter die umfassende Studie der OECD "Structural Adjustment and Economic Performance", gelangten übereinstimmend zu dem Ergebnis, daß es innerhalb Europas den Ländern mit einem sozialpart­ nerschaftliehen Verhandlungssystem rascher als jenen mit einem fragmentierten System gelang, die NominaHöhne an die im Gefolge der Ölpreisschocks verringerte gesamtwirt­ schaftliche "ability to pay" (verschlechterte Austauschver­ hältnisse, langsameres Produktivitätswachstum) anzupassen. Während sich in den korporatistischen Ländern die Nominal­ löhne als flexibel in bezug auf Produktivität und Terms of Trade erwiesen, blieben derartige Anpassungsprozesse in der anderen Ländergruppe aus. In den erstgenannten Ländern war weiters die Reagibilität der Löhne auf Arbeitslosigkeit größer. Schließlich erfolgte dort auch die Reallokation von Arbeitskräften angesichts von strukturellem Wandel in der Zusammensetzung der Nachfrage und von technischen Neuerungen rascher. In Österreich stellte und stellt die sozialpartnerschaftliehe Einkommenspolitik ihre Leistungsfähigkeit nachhaltig unter Beweis. Nach den Ölkrisen paßten sich die Reallöhne inner- 312