ten, in zweifacher Weise eine Schlechterstellung ihrer Mitglie­ der in Kauf nehmen: erstens hinsichtlich der Reallöhne, zweitens bezüglich der relativen Löhne, also der Stellung innerhalb der Lohnhierarchie. Das öffentliche Gut-Problem: eine moderate Lohnpolitik im obengenannten Sinn stellt ein öffentliches Gut dar. Ihr Nutzen (geringere Inflation, verbes­ serte Wettbewerbsfähigkeit, möglicherweise höherer Beschäftigtenstand) läßt sich nicht auf jene beschränken, welche die Kosten tragen. Trittbrettfahrer sind alle gesell­ schaftlichen Gruppen außerhalb des einkommenspolitischen Arrangements. Die Lösung beider Probleme ergibt sich durch umfassende Verbandsstrukturen und Verhandlungen auf zentraler Ebene, wobei wie betont erstere eine Voraussetzung für zentrale Vereinbarungen darstellen. Die Zentralisierung ermöglicht die Internalisierung von externen Effekten. Erstens löst die Kooperation von Einzel­ gewerkschaften im Rahmen von Dachverbänden das Gefan­ genendilemma. Vertikale Kontrollmechanismen unterbinden Außenseiterverhalten und resultierende Lohn-Lohn-Spira­ len, also Auseinandersetzungen über relative Löhne. Zwei­ tens können umfassende Gewerkschaften in höherem Maße den Nutzen moderater Lohnabschlüsse internalisieren. Die Auswirkungen von zunehmender Zentralisierung auf die Politik von Gewerkschafts- und Arbeitgeberverbänden ­ und somit auf die Verhandlungsergebnisse- hängen jeweils von zwei entgegengesetzten Tendenzen ab. Einerseits nimmt mit der Größe einer Gewerkschaft deren Marktmacht zu. Umfassendere Gewerkschaftsverbände zie­ hen zunehmend Nutzen aus einer niedrigen Nominallohnela­ stizität der Nachfrage nach Arbeit, da ein bestimmter Nomi­ nallohnanstieg einen umso höheren Anstieg der Produkt­ preise nach sich zieht, je mehr Branchen die Gewerkschaft erfaßt. Andererseits aber steigen mit zunehmendem Erfas­ sungsgrad eines Gewerkschaftsverbandes die Auswirkungen von deren Nominallohnabschlüssen auf die gesamtwirt­ schaftliche Verbraucherpreisentwicklung, d. h. die Kauf­ kraftgewinne einer bestimmten Nominallohnerhöhung schwinden mit zunehmender Größe der Gewerkschaft. Der letztgenannte Einflußfaktor überwiegt, wenn zwei große Branchengewerkschaften Kooperation beschließen: der Zuwachs an Marktmacht ist gering (da die Substitutionsela­ stizität zwischen Gütern auf höherer Aggregationsebene niedriger ist), während der Effekt auf das gesamtwirtschaftli­ che Preisniveau und damit die Kaufkraft der Mitglieder bedeutend ist. Auf die Unternehmer wirken folgende, in ihren Auswirkun­ gen entgegengerichtete Anreize: Mit zunehmender Zentrali- 314