Betriebsebene. Während in den einzelnen Betrieben die Arbeitskosten infolge des Stellenwertes zugekaufter Vorlei­ stungen einen vergleichsweise geringen Anteil der Gesamt­ kosten ausmachen, betragen sie auf gesamtwirtschaftlicher Ebene siebzig Prozent und mehr der Wertschöpfung. 5. Ist eine Situation durch eine erhebliche Teuerungsrate gekennzeichnet, und ist zudem der marginale Steuersatz aufgrund von kalter Progression und diskretionären Anhe­ bungen hoch, müssen umfassende Verbände fiskalische Externalitäten zur Kenntnis nehmen. Der Versuch, auf zen­ traler Ebene die Nettoreallöhne mittels höherer Nominal­ lohnforderungen zu steigern, ist hier zum Scheitern verur­ teilt, da der Großteil von Steuern und Inflation absorbiert wird, und beschleunigt die Inflation weiter ("tax-push infla­ tion"). Ferner führt die Tatsache, daß verschiedene Arbeit­ nehmergruppen unterschiedlich von der Besteuerung betrof­ fen sind, bei unkaardinierten Verhandlungen zu inflationä­ rem "leapfrogging". Auch die realen Nettounternehmensge­ winne schwinden infolge dieser Zusammenhänge. Mithin bestehen für die umfassenden Verbände starke Anreize, durch moderate Abschlüsse diese fiskalischen Externalitäten zu internalisieren. Bei dezentralen Verhand­ lungen existieren aufgrund des Gefangenendilemmas und der Problematik des öffentlichen Gutes keinerlei derartige Anreize. 6. Sozialpartnerschaftliehe Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Be­ ziehungen tragen wesentlich dazu bei, den sozialen Frieden in den betreffenden Ländern zu sichern, also die Anzahl, Dauer und den Erfassungsgrad von Streiks sowie die mit diesen zwangsläufig verbundenen Reibungsverluste (Produktions­ ausfälle) auf ein Mindestmaß herabzudrücken. Für diese konfliktminimierende Wirkung sind zwei Gründe maßgeb­ lich. Erstens sind Streiks als das Ergebnis eines mangelhaften Informationsstandes der Konfliktparteien über die jeweilige Gegenseite anzusehen. Die häufigen Kontakte auf verschie­ denen Ebenen im Rahmen der einkommenspolitischen Arrangements verbessern den Informationsstand aller Akteure über die Konzessionsbereitschaft der Gegenseite. Mehr Information über die Lage der Unternehmungen, insbe­ sondere die Quasirenten, auf seiten der Gewerkschaften und mehr Wissen der Arbeitgeberverbände über den Informa­ tionsstand der Gewerkschaften reduzieren mithin die Streik­ häufigkeit. Zweitens sind Streiks und/oder Aussperrungen, die aus dem Scheitern von Verhandlungen auf zentraler Ebene resultieren, mit besonders hohen sozialen Kosten verbunden. Da keine der involvierten Konfliktparteien die während des offenen Konflikts eintretenden Verluste zurück- 316