einen ersten Abzug vom Ertrag der gesellschaftlichen Arbeit. Aber auch die von den Grundherren im großen und ganzen praktizierte Art der Einkommensverwendung findet Smiths Mißbilligung: Statt zu sparen und in Bodenmelioration zu investieren, verprassen sie in feudaler Manier die Rente und vereiteln damit Chancen für Wachstum und Entwicklung. Bezüglich der aufstrebenden Klasse der Geld-, Handels- und Indu­ striekapitalisten ( capitalists) ist Smiths Meinung ambivalent. Einerseits sieht er in ihnen die eigentlichen Triebkräfte des ökonomischen und gesellschaftlichen Fortschritts. Andererseits warnt er vor ihrer Selbst­ sucht. Insbesondere der Gesetzgeber müsse sich hüten, ihnen zuviel Gehör zu schenken. Die von ihnen stammenden Vorschläge "kommen von einer Gruppe von Menschen, deren Interesse niemals genau mit dem öffentlichen Interesse übereinstimmt, und die im allgemeinen ein Interesse daran haben, die Öffentlichkeit zu täuschen und zu unterdrük­ ken und diese bereits bei mehreren Gelegenheiten getäuscht und unterdrückt haben". Und speziell mit Bezug auf Konflikte zwischen Unternehmern (masters) und Arbeitern (workmen) schreibt er: "Wann immer der Gesetzgeber die Gegensätze zwischen Unternehmern und ihren Arbeitern zu regeln versucht, sind seine Ratgeber immer die Unternehmer. Fällt die Regelung daher zugunsten der Arbeiter aus, so ist sie gerecht und billig; aber es ist manchmal anders, wenn sie die Unternehmer begünstigt." Hinsichtlich des Einkommens der Kapitaleigner, des Profits, räumt Smith mit der gängigen Vorstellung auf, es handele sich dabei um eine Art Unternehmerlohn. Tatsächlich stelle der Kapitalprofit "etwas völlig anderes dar" und werde unter den Bedingungen freier Konkurrenz "ganz und gar durch den Wert des angelegten Kapitals bestimmt und ist im Verhältnis zum Umfang dieses Kapitals größer oder kleiner". Bei der angesprochenen Tendenz zum intersektoralen Ausgleich der Profitrate handelt es sich um einen Fixpunkt der gesamten folgenden ökonomi­ schen Theoriebildung. Kapitalprofit ist also gleich der Grundrente Besitzeinkommen und basiert wie diese auf einem Abzug vom Ertrag der Arbeitenden. Aber anders als im Fall der Grundrente ist der zur Debatte stehende Besitz, das Kapital, das Ergebnis eines sozial nützlichen Verhaltens: des Sparens und Akkumulierens. Und der Profit ist seinerseits die Haupt­ quelle weiterer Kapitalakkumulation mit dem Ziel noch größerer Profite. "Der Profit ist Stachel wie Treiber der Akkumulation", liest man bei einem späteren Autor. Den Kapitaleignern kommt der Smith­ schen Sicht zufolge vor allem wegen ihrer Art der Einkommensverwen­ dung die nützliche Rolle zu, über die Anhäufung von Kapital den nationalen Wohlstand zu mehren, an dem alle, auch die Arbeiter, teilhaben. Die Arbeiter (workerers) bilden die dritte und zahlenmäßig bei weitem größte Klasse. Smiths Aufmerksamkeit gilt vor allem ihrem Schicksal. Denn worin sollte der Beweis für die Überlegenheit der modernen, kapitalistischen Gesellschaft gegenüber anderen sozialen Organisa- 328