tionsformen bestehen, wenn nicht in einer Verbesserung der Lage der sich abrackernden Armen (the labouring poor)? Die Quelle allen Reichtums ist produktive menschliche Arbeit - nicht der Handel, wie die Merkantilisten behaupteten, und auch nicht die Natur, wie die Physiokraten. Aller nationale Wohlstand ist das Produkt des Fleißes und der Geschicklichkeit der Arbeitenden. Doch obgleich es ihnen zu verdanken ist, was an Gütern und Leistungen während eines Jahres erzeugt wird, ist ihre eigene Situation eher beklagenswert. Außer ihrer Arbeitskraft besitzen sie (fast) nichts. Ihre Teilhabe am gesell­ schaftlichen Reichtum hängt daher davon ab, ob und zu welchem Preis sie das einzige, was sie besitzen, verkaufen können - ob sie Beschäfti­ gung finden und zu welchem Lohn. "Das Eigentum, welches jeder Mann an seiner eigenen Arbeit besitzt, ist das am meisten geheiligte und unverletzliche, da es die ursprüngliche Quelle jeden anderen Eigentums ist. Das Erbe eines armen Mannes liegt in der Stärke und Geschicklich­ keit seiner Hände, und ihn davon abzuhalten, diese Stärke und Geschicklichkeit anzuwenden, ist eine klare Verletzung dieses am meisten geheiligten Eigentums." Zu zeigen ist somit, daß die commer­ cial society genügend Beschäftigungsmöglichkeiten bei ausreichend hohen und steigenden Lohnsätzen bereitstellt. Wie begründet Smith die fragliche Fähigkeit des Systems? Was Smith für am wichtigsten hält, erörtert er in seinen beiden Hauptwerken jeweils gleich im ersten Kapitel. In der TMS war es die Sympathie, im WN ist es die Arbeitsteilung. Letztere ist Dreh- und Angelpunkt seiner Theorie ökonomischer und sozialer Dynamik. Eine zunehmende Teilung der Arbeit mehrt den nationalen Wohlstand, international ist sie der Schlüssel zu einer prosperierenden Weltwirt­ schaft. Arbeitsteilung ermöglicht Spezialisierungsgewinne und indu­ ziert technologische Neuerungen: neue Produktionsverfahren ebenso wie neue Produkte. Sie steigert die Produktivität der Arbeit und bewirkt unter sonst gleichen Umständen einen Anstieg im realen Pro­ Kopf-Einkommen - Smiths Maß für gesellschaftlichen Reichtum. Arbeitsteilung ist für ihn gleichbedeutend mit ökonomischem Fort­ schritt schlechthin. Wie sie fördern? Die gesellschaftliche Teilung der Arbeit wird von der Größe des Marktes beschränkt. Der erste und wichtigste Schritt zu dessen Auswei­ tung besteht im Abbau von Handelshemmnissen aller Art - Freihandel lautet die Devise. Sodann hängt die Größe des Marktes aufs engste mit der Güte des Kommunikations- und Transportsystems zusammen. Die Bereitstellung einer funktionstüchtigen Infrastruktur (Straßen, schiff­ bare Flüsse, Hafenanlagen etc.) ist im wesentlichen Aufgabe des Staates und weist ihn als bedeutenden ökonomischen Akteur aus. Das Wachs­ tum der Märkte ist schließlich direkt abhängig von der privaten Kapitalakkumulation. Deren Bestimmungsgründe sind ein Haupt­ thema des WN. Da die Akkumulation Smith zufolge dominant aus Profiten gespeist wird, konzentriert sich seine Aufmerksamkeit auf die langfristige Entwicklung der Einkommensverteilung. Das Interesse an der Verteilungsfrage im allgemeinen und an der säkularen Tendenz der 329