Profitrate im besonderen teilen mit Smith zahlreiche seiner Nachfolger, darunter David Ricardo (1772-1823) und Karl Marx (1818-1883). Einige unter ihnen, zumal Marx, vertreten wie er die These, daß die Profitrate auf lange Sicht, bei Fortgang der Kapitalakkumulation, zu fallen tendiere. Wie wirkt sich nun die zunehmende Arbeitsteilung auf die Klasse der Arbeiter aus? Smith sieht überwiegend Vorteile. Die Gefahr technologi­ scher Arbeitslosigkeit infolge des Anstiegs der Arbeitsproduktivität, wie sie von einigen Autoren vor und zahlreichen nach ihm ausgemacht worden ist, existiert seiner Auffassung nach nicht. Da die Zunahme der Arbeitsteilung eine Expansion der Märkte zur Voraussetzung hat, ist für die Absorption des wachsenden Produkts gesorgt. Auftretende Freiset­ zungen von Arbeitskräften werden von der akkumulationsgetriebenen Mengendynamik mehr als kompensiert. Die Nachfrage nach Arbeits­ kräften steigt und mit ihr die Löhne, zeitverzögert auch das Arbeitsan­ gebot. Über die längerfristige Lohnentwicklung entscheidet das Wachs­ tum des Kapitalstocks relativ zu demjenigen der Arbeitsbevölkerung. Je innovativer eine Ökonomie, je schneller sie expandiert, desto größer die Lohnzuwachsraten. "Nicht die aktuelle Größe, sondern die kontinu­ ierliche Zunahme des nationalen Wohlstands bietet Gelegenheit für ein Steigen der Arbeitslöhne." Der Wohlstand aber wächst dort am schnell­ sten, wo der Gewerbefleiß ungehemmt Früchte tragen kann und das Privateigentum gesichert ist. Höhere Löhne wiederum sind nicht nur gut für die Arbeiter, sondern auch für die Kapitaleigner und letztlich für die Gesellschaft insgesamt, da der besser bezahlte Arbeiter im Normal­ fall bereit und in der Lage ist, besser und genauer zu arbeiten: "Wo die Löhne hoch sind, begegnen wir immer auch den aktiveren, sorgfältige­ ren und schnelleren Arbeitern als dort, wo sie niedrig sind". Smith zufolge droht nur von einer Seite her Gefahr: der dequalifizie­ renden Wirkung der Arbeitsteilung. Wer sein gesamtes Arbeitsleben damit verbringe, einige einfache Handgriffe zu verrichten, werde so "stumpfsinnig und unwissend", wie es für eine menschliche Kreatur nur möglich ist. Er werde außerstande gesetzt, seinen normalen bürger­ lichen Pflichten nachzukommen und, schlimmer noch, sein Land im Kriegsfall zu verteidigen. "Dies ist der Zustand, in den in jeder fortgeschrittenen und zivilisierten Gesellschaft der Großteil des Volkes fallen wird, es sei denn, die Regierung trifft Vorkehrungen, dies zu verhindern", wozu Smith dringend rät. Er tritt für die öffentliche Finanzierung einer Elementarausbildung der Kinder von Arbeiterfami­ lien ein. Smiths Antwort auf die Frage nach dem Los der Arbeiter im "System der natürlichen Freiheit" lautet daher: zwar wird ihnen, wie in anderen Systemen auch, ein Teil des Ertrags ihrer Arbeit vorenthalten; von diesem Teil wird indes relativ mehr der Akkumulation zugeführt, als es in anderen Systemen der Fall ist. Entsprechend schneller wächst das Gesamtprodukt, und an diesem Wachstum partizipieren auch die Lohnarbeiter: "Es ist immense Vervielfachung der Produktion all der verschiedenen Produktionszweige infolge der Arbeitsteilung, die in 330