Einkommensverteilung und Branchenstruktur in Österreich Michael Mesch 1. Einleitung Die Beschäftigtenstruktur in den westlichen Industriestaaten ist durch hohe Anteile des Dienstleistungssektors an den unselbständig Erwerbstätigen gekennzeichnet. In Österreich entfielen im Vorjahr rund 61 Prozent der mehr als 2,8 Millionen unselbständig Beschäftigten auf den tertiären Sektor. Zudem vollzieht sich der Strukturwandel weiterhin zugunsten dieser Wirtschaftsbereiche. Über die Einkommensverhältnisse im Dienstleistungssektor ist weni­ ger bekannt als über jene im sachgüterproduzierenden Sektor, insbe­ sondere in der Industrie. Dies ist v. a. eine Konsequenz der Datenlage, aber auch der stark industrieorientierten lohntheoretischen Interpreta­ tionsansätze. Dieser Beitrag beschäftigt sich auf der Grundlage einer neuen Ein­ kommensstatistik aus der Sozialversicherung (Beschreibung siehe Abschnitt 2) mit der Differenzierung der Arbeitsverdienste innerhalb aller 25 Wirtschaftsklassen (Abschnitt 3) und mit den Einkommensun­ terschieden zwischen den Branchen (Abschnitt 4), und gibt daher auch Aufschlüsse darüber, wie sich die Bereiche des Dienstleistungssektors in die Gesamtheit der Einkommensstruktur einfügen. Infolge der Mängel des verwendeten Datenmaterials sind die diesbezüglichen Antworten freilich nur Teilantworten. Abschließend werden einige strukturpolitische Schlüsse gezogen. 2. Charakteristika der neuen Statistik Im November 1989 stellte der Hauptverband der Sozialversicherungs­ träger eine neue Statistik über die Verteilung der Einkommen von Arbeitern und Angestellten vor. Sie ersetzt die Lohnstufenstatistik, 333