Flexibilisierung des Arbeitsrechts? Peter Rosner Staatliche Regulierung von Arbeitsverhältnissen wird traditionell unter dem Gesichtspunkt der "Stärke" und "Schwäche" der Partner am Arbeitsmarkt gesehen: Die Arbeitnehmer müssen, weil sie die Schwä­ cheren sind, durch Gesetze geschützt werden. Derartige Aussagen sind aber in der ökonomischen Theorie nur schwer präzise zu argumentie­ ren1. Diese geht nämlich davon aus, daß Individuen nur dann Verträge­ also auch Arbeitsverhältnisse - eingehen, wenn ihnen daraus ein Vorteil entsteht. So schlecht auch ein Arbeitsverhältnis für einein Beschäftigte/ n sein mag, so ist erstens diese Beschäftigung besser als arbeitslos zu sein - andernfalls wäre der Arbeitsplatz nicht akzeptiert worden -, und zweitens sind schlechte Arbeitsverträge, unter der Annahme von Kon­ kurrenz am Arbeitsmarkt, eine Folge niedriger Produktivität. Eine Regulierung von Arbeitsverhältnissen ist entweder eine gesetzliche Festschreibung bestehender Marktresultate oder aber eine Beschrän­ kung der Vertragsfreiheit und daher abzulehnen. Sie wäre im ersten Fall wirkungslos und würde im zweiten Fall im Wege der Karteliierung des Arbeitsangebotes zu einer geringeren nachgefragten Beschäftigung führen als ohne Regulierung. Darüber hinaus käme es zu einer Umver­ teilung von den Konsumenten zu den betreffenden Arbeitskräften. Solche Umverteilungen können in der Wirtschaftstheorie aber nur schwer gerechtfertigt werden, da intersubjektive Nutzenvergleiche nicht zulässig sind. Diesem methologischen Postulat entspricht schließ­ lich die Forderung nach einer Deregulierung des Arbeitsmarktes. In dieser Arbeit werden nun Argumente für zentrale Regulierungen von Arbeitsverhältnissen im Rahmen der Wirtschaftstheorie gebracht. Es wird gezeigt, daß, wenn man den methologischen Individualismus als Fundament der Ökonomie akzeptiert, ein ungeregelter Arbeitsmarkt nicht notwendigerweise effiziente Zustände garantiert. Dies beruht 481