durch vollkommene Konkurrenz gekennzeichnet, dann würde jeder Arbeitsvertrag den Reservationsnutzen des Beschäftigten abgelten. Zwar würden Arbeitsverträge nicht identisch sein, weil die Präferenzen der Arbeitsanbieter bezüglich unterschiedlichen Dimensionen eines Vertrages - Geldentlohnung, Arbeitszeit, Sicherheit des Arbeitsplatzes und am Arbeitsplatz etc. - unterschiedlich sind, aber es müßten sich die Nettonutzen auf einem spezifischen Arbeitsmarkt ausgleichen. Der Wunsch der Unternehmen nach, gemessen an herkömmlichen Stan­ dards, extremen Formen von Arbeitsverträgen wäre daher kein Grund für eine staatliche Intervention. Diesem theoretischen Ansatz gemäß finden sie nämlich nur dann Arbeitskräfte für diese Arbeitsplätze, wenn sie sie hinreichend gut bezahlen, bzw. durch andere Vorteile die Nachteile ausgleichen. So müssen etwa ungewöhnliche zeitliche Lagen der Leistungserbringung durch entsprechend höheren Lohn abgegol­ ten werden. Die Akzeptierung dieser Arbeitsformen bei entsprechen­ dem Lohn durch die Lohnabhängigen muß als Ausdruck deren Präfe­ renzen und deren Anfangsausstattung gesehen werden. Durch ein Verbot werden sie nicht bessergestellt. Eine Regulierung des Arbeits­ marktes mit dem Ziel, das Nutzenniveau der Beschäftigten zu erhöhen, ist nur bei einer Karteliierung der Lohnabhängigen möglich. Dieser Theorie liegt folgendes Bild des Arbeitsmarktes zugrunde: Das Unternehmen fragt Arbeitsleistungen nach, wobei angenommen wird, daß die Arbeitsnachfragefunktion negativ geneigt ist. Die Individuen bieten Arbeitsleistungen an, wobei sowohl positiv als auch negativ geneigte Arbeitsangebotsfunktionen möglich sind. Die Arbeitsnachfra­ gefunktion wird aus der Güternachfragefunktion und der Produktions­ funktion abgeleitet, die Arbeitsangebotsfunktion aus den Präferenzen der Individuen bezüglich Freizeit und Konsum und der Anfangsausstat­ tung mit sonstigem Vermögen. Dieses Bild entspricht aber nur unter zwei Annahmen einer realisti­ schen Betrachtungsweise: Erstens, Arbeitsleistungen sind eindeutig spezifizierbar; zweitens, jede Arbeitsleistung ist eindeutig einer Person zurechenbar. Beides ist für das Arbeitsverhältnis untypisch und ent­ spricht eher dem Werkvertrag. Für den Arbeitsvertrag ist vielmehr kennzeichnend, daß das Unternehmen die Leistungsbereitschaft der Arbeitskraft erwirbt. Die Arbeitskraft verpflichtet sich, unter der Anlei­ tung des Unternehmens zu arbeiten. Die Leistung wird in einem Arbeitsverhältnis angeordnet. Es ist ein befristetes und eingeschränktes Herrschaftsverhältnis (Parsons, 1986). Ferner kann der größte Teil der in einem Unternehmen produzierten Güter und Dienstleistungen nur durch unmittelbare Zusammenarbeit mehrerer Arbeitskräfte herge­ stellt werden. Eine Zurechnung eines Grenzproduktes an einzelne Arbeitskräfte ist dadurch ausgeschlossen (Alchian/Demsetz 1972). Am Arbeitsmarkt werden wegen dieser Probleme Arbeitsverhältnisse und nicht Arbeitsleistungen gehandelt. Der Lohn ist nicht das Entgelt für die einzelne erbrachte Leistung. Arbeitsverhältnisse dauern oft lange Zeit, auch wenn ihr Bestand durch keinerlei gesetzliche Regelung geschützt ist (für die USA: Hall, 1982). Für das Unternehmen bieten 483