Vergleich zu einer Situation ohne derartige Regelungen zu erhöhen. Derartige Regulierungen können nur im Zusammenhang mit kollekti­ ven Lohnbestimmungen gesehen werden - d. h. es muß der Fall ausgeschlossen werden, daß durch niedrigen Lohn die den Unterneh­ men entstehenden Kosten einer Regulierung ausgeglichen werden. Umgekehrt gilt aber, daß Bemühungen, die Wohlfahrt der Lohnabhän­ gigen durch kollektive Lohnfestsetzungen zu erhöhen, begleitet sein müssen von kollektiven Regulierungen anderer Aspekte der Arbeits­ verträge. Unter der Annahme, daß die Nachfragefunktion nach Arbeitsleistun­ gen negativ geneigt ist, resultieren umverteilende Regulierungen in einer reduzierten Menge nachgefragter Arbeitsleistungen. In welchem Ausmaß dies geschieht, hängt von den entsprechenden Elastizitäten ab. Dieser Effekt, der gemäß ökonomischer Theorie einen Wohlfahrtsver­ lust impliziert, wird von den Interessenverbänden der Lohnabhängigen meist akzeptiert und oft explizit verteidigt. Ziel kollektiver Regulierun­ gen ist es nämlich, die Konkurrenz der Arbeitenden untereinander zu reduzieren. Daher ist die Feststellung, daß Regulierungen des Arbeits­ marktes die nachgefragte Arbeitsmenge reduzieren und so möglicher­ weise Arbeitslosigkeit erzeugen oder erhöhen, nicht ausreichend, derar­ tige Regulierungen aufzugeben. Schließlich gilt dieser "Vorwurf' auch für kollektive Mindestlohnfestsetzungen. Begründet wird die Berechtigung einer Karteliierung des Arbeits­ marktes üblicherweise damit, daß die Lohnabhängigen am Arbeits­ markt die Schwächeren sind. Wie oben bereits angeführt, gibt es derzeit in der Ökonomie keine systematische Theorie über "starke" und "schwache" Partner auf Märkten. Es können aber folgende Argumente für die "Schwäche" der Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt gebracht wer­ den: Erstens, Arbeitskräfte können ihre Arbeitsleistungen nicht lagern. Eine Periode der Arbeitslosigkeit kann im allgemeinen nicht durch Mehrarbeit in einer anderen Periode beliebig ausgeglichen werden, da auch Freizeit nur innerhalb bestimmter Grenzen "gespeichert" werden kann. Zweitens sind die meisten Haushalte von Lohnabhängigen finan­ zierungsbeschränkt - d. h. sie können nicht den Ausfall von Arbeitsein­ kommen beliebig durch Kredite finanzieren, auch wenn das erwartete zukünftige Einkommen entsprechend hoch ist. Arbeitskräfte können daher nicht ohne weiteres in einer Periode mit niedrigem Gleichge­ wichtslohn sich vom Arbeitsmarkt zurückziehen, auch wenn sie für eine zukünftige Periode wieder einen hohen Gleichgewichtslohn erwar­ ten. Drittens, die meisten Arbeitskräfte können zu einem Zeitpunkt nur einen Arbeitsvertrag haben. Sie binden also ihr gesamtes Humankapital - und damit den größten Teil ihres Vermögens - in einem Vertrag. Unternehmerhaushalte können hingegen ihr Vermögen auf unter­ schiedliche Vermögenswerte aufteilen. Lohnabhängige sind daher inso­ fern in schwacher Position, als sie bei Scheitern von Lohnverhandlun­ gen nur das Nutzenniveau der Arbeitslosigkeit haben. Die Regulierungen des Arbeitsmarktes haben oft die Funktion, das Arbeitsangebot direkt zu reduzieren: Verbot von Kinderarbeit, Verbot 490