COMPUTERGESTÜTZTE VERWALTUNGSAUTOMATION Rezension von: Volst, A./Wagner, 1., Kontrollierte Dezentralisierung. Computergestützte Verwaltungsautomation in Dienstleistungs- und Industrieunternehmen, edition sigma, Berlin, 1990, DM 36,- Angelika Volst und Ina Wagner le­ gen eine umfassende industriesoziolo­ gische Untersuchung zur Verwal­ tungsautomation vor. Unter umfas­ send ist gemeint, daß sie die Anwen­ dung von EDV als einen komplexen, vielschichtigen und aspektenreichen Prozeß auffassen und dementspre­ chend differenziert zu erfassen versu­ chen. An traditionellen industriesozio­ logischen Studien kritisieren die bei­ den Autorinnen objektivistische Ten­ denzen, indem Veränderungsprozesse als unpersönliche Mechanismen dar­ gestellt werden. Volst und Wagner ne­ gieren diese Herangehensweise, die vielfach auch in der gegenwärtigen Debatte um die neuen Produktions­ konzepte zu finden ist, nicht absolut, sondern plädieren für eine erweiterte Sichtweise, bei der die Eigenheiten von Organisationen und die Menschen als handelnde Subjekte berücksich­ tigt werden. Die vorliegende Untersuchung stellt sicherlich einen wichtigen Schritt in diese Richtung dar; die theoretische Durchdringung und Vermittlung des empirischen Materials ist für meine Bedürfnisse - vielleicht aus Gründen der Leserzielgruppe - etwas zu knapp ausgefallen. Mit diesem Kritikpunkt ist aber keineswegs die Bedeutung dieser Arbeit, was die inhaltlichen Er­ gebnisse und den Aspektenreichtum betrifft, geschmälert. Behandelt wer­ den die technisch-organisatorische Neugestaltung von Arbeitsabläufen, das Problem des Verhältnisses der Zentralisierung und Dezentralisie­ rung von Kompetenzen, Aushand­ lungsprozesse und ihre Bedeutung für die Reorganisation von Unternehmen im Zuge der EDV-Anwendung, unter­ schiedliche Formen des Umgangs mit Unsicherheit und Konflikten sowie verschiedene Aspekte subjektiver Be­ troffenheit. Die Autorinnen stützen sich einer­ seits auf die Auswertung von fast 1000 Fragebögen von Frauen und Männern, die im Verwaltungsbereich unter­ schiedlicher Organisationen arbeiten (Bundesministerien, Finanzverwal­ tung, Banken, Versicherungen, Indu­ striebetriebe), sowie auf fünf intensive Fallstudien im Verwaltungsbereich von zwei Banken, zwei Industriebe­ trieben und einer Versicherung ande­ rerseits. Die Ergebnisse der schriftlichen Be­ fragung betreffen unterschiedliche Tendenzen bei der Veränderung der Arbeitsinhalte, der Mitgestaltungs­ möglichkeiten und der Schulung, bei Aufstiegschancen, Beanspruchung, gesundheitlichen Belastungen und Kontrolle. Die Unterschiede werden nach Arbeitsplatztypen (Belegverar­ beitung, Schreibdienst, Sekretariats­ dienst, Routinesachbearbeitung, Buchhaltung, qualifizierte Sachbear­ beitung) und geschlechtsspezifisch analysiert. Die Ergebnisse lassen sich stark vereinfacht und komprimiert et­ wa so charakterisieren: - Die qualifizierte Sachbearbeitung und der Sekretariatsdienst gewin­ nen bei fortgeschrittener EDV-An­ wendung deutlich stärker in allen Dimensionen, während auf den an­ deren Arbeitsplätzen vielfach nega­ tive Auswirkungen vorhanden sind. - Die Benachteiligung der Frauen be­ steht vor allem darin, daß sie die weniger qualifizierten Arbeitsplätze besetzen (müssen), darüber hinaus profitieren aber dieMänner auch bei 577