men oder sie modellieren explizit den Preismechanismus des Marktsy­ stems und schreiben ihm eine Perfektion zu (Stichwort: vollständiges System kontingenter Zukunftsmärkte), die in der Realität nicht zu fin­ den ist. Auf diese Weise kommt es zu einer erstaunlichen Asymmetrie: Viele Mikroökonomen bestreiten die Existenzberechtigung einer eigenständi­ gen Makroökonomie, kein Makroökonom aber bestreitet die Notwendig­ keit einer eigenständigen Mikroökonomie! Vielmehr betonen die Ma­ kroökonomen zweierlei: a) Man kann makroökonomische Fragen nicht mit mikroökonomischer Theorie beantworten. b) Die Makroökonomie kann nicht auf einer Mikroökonomie aufgebaut werden, die aufgrund ihrer Annahmen keinen Platz für gesamtwirt­ schaftliche Entwicklungen läßt, die sich aus den Kreislaufzusam­ menhängen und den Unvollkommenheiten der Koordination der Märkte ergeben. Vor allem hierin liegen die Schwierigkeiten, die die keynesianische Makroökonomik mit der Mikrofundierung hat. Howitt (1987) charakte­ risiert diese im "New Palgrave Dictionary" in seinem Beitrag "Macro­ economics: Relations with Microeconomics" so: "The story of the development of macroeconomic theory beginning with the Keynesian Revolution is largely a story of the struggle between these opposing forces: the quest for a microformulation and the recogni­ tion that existing micro theory is inadequate for dealing with macro pro­ blems" (1987 , S. 274). Definiert man Makroökonomie von der Methode her, so gibt es - abge­ sehen von der klassischen Nationalökonomie - vor allem zwei eigenstän­ dige makroökonomische Theoriegebäude, die in der Nachkriegszeit eine große Rolle in der theoretischen und wirtschaftspolitischen Diskussion gespielt haben: 1 . die keynesianische Theorie bzw. die Theorie von Keynes und 2 . die monetaristische Theorie, also die von Friedman wiederbelebte und neuformulierte Quantitätstheorie. Beide Theorien untersuchen die Zusammenhänge zwischen den wich­ tigsten gesamtwirtschaftlichen Größen, wie Produktion und Beschäfti­ gung, Einkommen und Preisniveau. Dabei ist es der Keynesschen Theo­ rie besonders wichtig, Höhe und Schwankungen des gesamtwirtschaftli­ chen Produktionsvolumens zu erklären (dies Ziel entspricht der Fischer­ sehen Zielbestimmung für die Makroökonomie); die zweite hingegen verfolgt vorrangig das Ziel, Höhe und Veränderung des gesamtwirt­ schaftlichen Preisniveaus zu erklären. Die neue klassische Makroökonomie ist dagegen - methodologisch ge­ sehen - keine eigenständige makroökonomische Theorie; sie ist vielmehr ein System von Aussagen über gesamtwirtschaftliche Größen, das aus einem mikroökonomischen Totalmodell unter den Annahmen vollständi­ ger Konkurrenz und stets preisgeräumter Märkte gewonnen worden ist. Sie ist daher als konkurrierendes Theoriegebäude zur eigenständigen Makroökonomie anzusehen. 143