Mit dem Monetarismus werde ich mich im folgenden nicht beschäfti­ gen; denn wenn über die Existenzberechtigung und die Zukunft einer ei­ genständigen Makroökonomie diskutiert wird, dann geht es eigentlich stets um die keynesianische Makroökonomie. Der Grund dafür ist darin zu sehen, daß die monetaristische Theorie nur eine Lücke füllt, die von der neoklassischen Mikroökonomie gelassen wird, nämlich die Bestim­ mung des Preisniveaus. Sie ergänzt daher die Mikroökonomie, aber sie widerspricht ihr nicht. Anders ist es mit der keynesianischen Makroökonomie, die vielen Ver­ allgemeinerungen der Mikroökonomie auf der Makroebene wider­ spricht. Daher ist die Frage von zentralem Interesse: Was wird von der keynesianischen Makroökonomie bleiben? Der Antwort auf diese Frage sind die folgenden Abschnitte gewidmet. II. Kriterien für die Akzeptanz makroökonomischer Theorien Zur Beantwortung der gestellten Frage möchte ich von der These aus­ gehen, daß die Bedeutung, die einer Theorie in der "wissenschaftlichen Gemeinschaft" zuerkannt wird, von zwei Faktoren abhängt: 1 . Auf der theoretischen Ebene zählt ihr Beitrag zur Erklärung von in der Realität zu beobachtenden Phänomenen. Nach Ansicht von Pop­ per ist dieses Erkenntnisinteresse sogar das Entscheidende! So schreibt er in der "Logik der Forschung" (8. Auflage 1984, S. 3 1) : " . . . vor allem ist schließlich festzuhalten, daß dem Theoretiker an der Erklärung als solcher gelegen ist, d. h. an nachprüfbaren erklärenden Theorien, und daß ihn Anwendungen und Prognosen nur aus theoreti­ schen Gründen interessieren - weil sie zur Prüfung von Theorien ver­ wendbar sind. " 2 . Auf der wirtschaftspolitischen Ebene hängt ihre Akzeptanz von ihrer Fähigkeit ab, für die als vordringlich anerkannten aktuellen wirt­ schaftspolitischen Probleme Lösungsvorschläge anzubieten; dabei hängt die Anerkennung von Problemen als "vordringlich" auch von den dominierenden Werturteilen ab. Wenn dies so ist, so stellt sich die nächste Frage: Nach welchen Krite­ rien bewerten Theoretiker alternative, vorliegende Theorien? Das wich­ tigste Kriterium scheint mir die logische Konsistenz zu sein, die sich heutzutage in formaler Konsistenz ausdrückt. Mit diesem Aspekt be­ schäftigt sich Abschnitt III, mit der wirtschaftspolitischen Ebene Ab­ schnitt IV. 111. Inkonsistenz in der keynesianischen Theorie und der Ansatzpunkt zu ihrer Überwindung Mißt man die Erklärungskraft einer Theorie an ihrer logischen und formalen Konsistenz, so schneidet die keynesianische Theorie schlecht ab! Das liegt meines Erachtens an zwei Dingen: Erstens haben die Key- 144