lität im sekundären Segment stets ausreicht, um einen Anstieg der natürlichen Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Die Grenze wäre spätestens dann erreicht, wenn die Löhne sich dem Existenzminimum annähern. Außerdem weitet sich das Lohndifferential zwischen primärem und se­ kundärem Segment infolge eines adversen Schocks aus, so daß es zu Phasen der Unterbeschäftigung aufgrund vermehrter Sucharbeitslosig­ keit und letztlich zur Erhöhung der natürlichen Unterbeschäftigung durch Persistenzeffekte kommen kann. Die Hysteresis-Diskussion führt zwar zu dem Schluß, daß makroöko­ nomische Schocks zu einem höheren natürlichen Unterbeschäftigungs­ niveau geführt haben, was jedoch nicht gleichzusetzen ist mit der Auf­ fassung der Supply-Side-Policy, es handele sich um langfristig stabile Gleichgewichte, die nur durch eine langfristig wirkende, angebotsorien­ tierte Gestaltung der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen zu be­ einflussen seien. Statt dessen sind die jeweils erreichten Gleichgewichte als "fragile equilibria" (Blanchard, 0. J./Summers, L. H. , 1988 , S. 186) zu kennzeichnen, denn ihre Lage wird bereits durch vorübergehende Ab­ weichungen nachhaltig beeinflußt. Damit erhalten Maßnahmen der Konjunktursteuerung größeres Gewicht, da bereits kurzfristige Erfolge dauerhafte positive Angebotseffekte zur Folge haben. Der relative Er­ folg des amerikanischen Arbeitsmarktes ist also nicht unbedingt auf den geringeren Einfluß der Gewerkschaften und die größere Flexibilität im sekundären Segment zurückzuführen, sondern muß auch vor dem Hin­ tergrund der expansiveren amerikanischen Stabilitätspolitik gesehen werden. In diesem Zusammenhang wird oft auf die Erfahrungen mit der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik in Großbritannien hingewiesen, die durch eine radikale Antiinflationspolitik das Unterbeschäftigungs­ niveau nicht nur bis zur Anpassung der Inflationserwartungen, sondern dauerhaft erhöht habe (so z. B. Pissarides, C . , 1989 , S. 1 1 sowie Blan­ chard, 0. J ./Summers, L. H. , 1 988, S. 182) . Nicht umsonst wird in der stabilitätspolitischen Diskussion seit längerem ein Abgehen von der strikten Regelbindung, wie sie das monetaristische Konzept der poten­ tialorientierten Geld- und Fiskalpolitik vorsieht, zugunsten einer fle­ xibleren Reaktionsweise gefordert. Auch von einer ordnungspolitischen Umgestaltung des Arbeitsmarktes in Richtung auf die reine Marktlö­ sung wäre nicht zu erwarten, daß zeitliche Anpassungsverzögerungen hinreichend reduziert werden können, um die nachhaltigen negativen Konsequenzen ökonomischer Schocks für das Beschäftigungsniveau zu vermeiden. Wahrscheinlicher wäre schon, daß diese negativen Folgen durch eine verstärkte Dualisierung der Ökonomie verdeckt würden, statt ihnen über die Förderung der Qualifikation des Arbeitsangebots und der Kapitalbildung offensiv zu begegnen. Folglich liegt der Schluß nahe, daß eine Politik der grundlegenden institutionellen Neuordnung des Ar­ beitsmarktes ein größeres "Sozialexperiment" mit zudem völlig unge­ wissem Ausgang darstellen würde im Vergleich zu einer Vorgehensweise, die an den Erfahrungen keynesianischer Beschäftigungspolitik an­ knüpft und diese schrittweise so ergänzt, daß negative Neben- und Fol­ gewirkungen vermieden werden. Mögliche Elemente einer solchen modi- 225