ist die Umverteilung in der wirtschaftspolitischen Praxis stark interes­ sen- bzw. machtbestimmt, indem die Nettozahler der Umverteilung im wesentlichen die Art und das Ausmaß der Umverteilung bestimmen. Daraus werden Phänomene verständlich, wie etwa die Mangelhaftigkeit von Verteilungsstatistiken und die langfristige Konstanz der bereinigten Lohnquote (vgl. Guger 1989). Verteilungsgerechtigkeit ist als öffentliches Gut anzusehen. Gerade in einem marktwirtschaftliehen System, wo Wettbewerb ohne Berücksich­ tigung sozialer/altruistischer Entscheidungsmotive die Norm ist, weil Eigennutzmaximierung die notwendige und legitime Handlungsmaxime ist, muß der Markt im Hinblick auf die Verteilungsgerechtigkeit versa­ gen. Auf dieser Ebene ist die radikale Kritik an der marktwirtschaftli­ ehen Konzeption angesiedelt, welche aus ethischen Gründen die Substi­ tution des Wettbewerbsprinzips durch das Solidarprinzip als gesell­ schaftliches Gestaltungsprinzip fordert (Rothschild 1 980). 4. Stabilisierung 4.1 Modellanalysen und stabilisierungspolitische Intervention Unterauslastung der Ressourcen stellt Einbußen gegenüber dem po­ tentiellen Wohlstandsmaximum dar und bietet, falls die Theorie der Wirtschaftspolitik Erfolgschancen in der Verstetigung des Niveaus der wirtschaftlichen Aktivität verheißt, einen Grund für eine entsprechende wirtschaftspolitische Intervention. Aussagen über stabilisierungspoliti­ sche Zielerreichung (teleologisches Werturteil) werden bereits durch die Sichtweise der Wirtschaft und daher durch die Auswahl des Erklärungs­ bzw. wirtschaftspolitischen Modells (ontologisches Werturteil) vorbe­ stimmt. Das marktwirtschaftliche Allokationsmodell neoklassischen, marginalistischen Typs entstand als Theorie des nutzenmaximierenden Haushalts. Dieselbe marginalistische Methodik wurde später für eine Theorie der gewinnmaximierenden Unternehmung angewandt. Schließ­ lich wurde der Analysebereich auf die gesamtwirtschaftliche Produktion ausgeweitet. Das Resultat ist eine makroökonomische Theorie mit grundsätzlich mikroökonomischem Charakter. Sie zeichnet sich daher durch ihre primäre Ausrichtung auf Probleme aus, die mit analogen mi­ kroökonomischen Fragestellungen kompatibel sind. Die besondere Lei­ stungsfähigkeit der neoklassischen Makroökonomie besteht in der Be­ antwortung der Fragen nach dem optimalen Ressourceneinsatz unter echten Knappheitsbedingungen. Ihr Ziel besteht daher hauptsächlich in der Erklärung der Produktivitätsmaximierung bei Vollauslastung der Ressourcen: Sie zeigt die logischen Bedingungen auf, unter denen die Struktur der relativen Preise dazu führt, daß bei Einsatz aller Produkti­ onsfaktoren der potentielle Output erreicht wird. Das einzige Zielkrite­ rium ist folglich die ökonomische Effizienz (maximale Knappheitsre­ duktion). Aus dem skizzierten Entstehungszusammenhang ergeben sich 240