Editorial Der Avis: Bestätigung für Österreichs Integrationspolitik Etwa vier Jahre ist es her, daß die Neuordnung des Ver­ hältnisses Österreichs zur Europäischen Gemeinschaft wie­ der einen zentralen Platz in der politischen Diskussion in diesem Land einnimmt. Vor zwei Jahren - im Juli 1989 - hat Österreich seinen Antrag auf Beitritt zur EG gestellt. Und nun - im Juli 1991 - hat die EG-Kommission ihre Stellung­ nahme zum Österreichischen Beitrittsantrag vorgelegt. Dar­ in wurde auf die Problemfelder hingewiesen; die wirt­ schaftliche Gesamtbeurteilung der Kommission war ein­ deutig positiv, die Neutralitätsfrage hält die Kommission ebenfalls für lösbar. Auch wenn Österreich auf dem Weg in die EG damit noch lange nicht am Ziel angelangt ist, ist der Verlauf im Lichte dieser grundlegenden Fakten bisher be­ merkenswert geradlinig gewesen. Bemerkenswert, weil dies vor zwei Jahren nicht in dieser Weise absehbar war. Der Entscheidung zum Beitrittsantrag ging eine intensive und teilweise auch kontroverse Diskussion in der Regierung und auch innerhalb der großen Parteien voran. Im Unter­ schied zu anderen Koalitionsentscheidungen wurde der Entschluß zum Antrag auf EG-Mitgliedschaft von beiden Regierungspartnern wirklich gemeinsam und ohne ins Ge­ wicht fallende Mentalreservationen getragen. Auch die größere Oppositionspartei FPÖ ist trotz mancher Unklar­ heit in ihren Bekundungen der Papierform nach für einen EG-Beitritt. Die Verbände haben durch ihre gemeinsame Stellungnahme vom Frühjahr 1989 ebenfalls eine eindeutig positive Haltung dokumentiert. Lediglich aus dem Bereich der Landespolitik gab es punktuelle Vorbehalte, und nur die Grünen, die die EG als "Wachstumsgemeinschaft" ableh­ nen, waren - und sind trotz einzelner gegenteiliger Stimmen auch heute noch - gegen eine Mitgliedschaft Österreichs bei der EG. Trotz breiter Basis, auf die sich der Entschluß zur Absendung des "Briefes nach Brüssel" stützen konnte, war dieser Schritt mit einigen nicht zu unterschätzenden Risken verbunden. Wenn der Beitrittsantrag als Reaktion auf das Binnenmarktprogramm der EG aus ökonomischer Sicht durchaus als Fortsetzung der bisherigen EG- und Europa­ politik Österreichs gesehen werden konnte, so bedeutete er im Hinblick auf die "EWG oder EFTA"-Diskussion der fünfziger und sechziger Jahre gleichzeitig doch auch eine Revision dieser Politik. Dazu kam, daß die meisten anderen EFTA-Länder dem 281