Für Österreich sind wegen der geographischen Nähe Dienstleistungen in den mitteleuropäischen Reformländern, in der CSFR, in Polen und in Ungarn, von Interesse. Es ist anzunehmen, daß Österreichische Firmen beabsichtigen, nach der Öffnung dieser Länder den Außenhandel mit ih­ nen zu erweitern und in ihnen direkt zu investieren. Dienstleistungen in anderen Ländern des früheren politischen und wirtschaftlichen Blocks sind für Österreich weniger interessant, und über diese Länder sind auch wenige Informationen vorhanden. Die Überwindung des Rückstands der Dienstleistungen in der ehemaligen DDR stellt eine spezifische Aufgabe dar, die nach der deutschen Vereinigung auf eigene Weise gelöst wird. Rückstand der Dienstleistungen Die Ähnlichkeit der relativen Größe des Dienstleistungssektors in den ehemaligen Kommando-Wirtschaften deutet an, daß dessen Rückstand systembedingt war. Die folgenden Eigenschaften des Systems waren dafür verantwortlich: - Verteilung der Wirtschaftsmacht; - herrschende Ideologie und politische Eingriffe in das Wirtschaftsge- schehen; - Ausschaltung des Marktes bei der Koordinierung der Arbeitsteilung (die Wirtschaft des Landes wurde als ein gigantischer Betrieb ge­ lenkt). In der Literatur wird als Ursache des niedrigen Gewichts des Dienst­ leistungssektors auch das niedrige Entwicklungsniveau im Vergleich mit den Industriestaaten mit der Marktwirtschaft erwähnt. Der Zusammen­ hang zwischen dem Entwicklungsniveau und der relativen Größe des Dienstleistungssektors ist aber ziemlich kompliziert. Er wird durch die Relationen und Veränderungsraten der Preise und der Arbeitsprodukti­ vität beeinflußt; eine gründliche Behandlung dieser Frage würde aber viel Platz beanspruchen. Für die Kommando-Wirtschaften ist diese Hy­ pothese nicht relevant. Das politische System in Ländern mit Kommando-Wirtschaft war ei­ ne totalitäre Diktatur einer politischen Partei, die Gesellschaft wurde mit Anweisungen aus einer Zentrale gelenkt. Das politische System prägte das Wirtschaftssystem. Die meisten Produktionsmittel waren im öffentlichen Eigentum (vorwiegend des Staates, teilweise auch der Ge­ meinden und der Genossenschaften) . Die Wirtschaftspolitik sollte die politische Macht im Inneren und nach außen schützen helfen. Dazu diente der militär-industrielle Komplex, der aus großen Betrieben der Schwerindustrie (der Metallverarbeitung, der Metallurgie, der Chemie, der Energiewirtschaft und des Bergbaus) bestand. Sie wurden bei Zutei­ lung von Arbeitskräften, Rohstoffen, Energie und Finanzmitteln bevor­ zugt. Deren kapitalintensive Produktion benötigte viel an Investitions­ gütern, welche die Schwerindustrie für sich selbst produzierte. Dieses weitgehend geschlossene Segment der Wirtschaft gewann einen starken Einfluß auf die Wirtschaftspolitik. Es wies eine hohe Nachfrage nach ei- 337