MARKT ODER STAAT IM WOHNUNGSWESEN Rezension von: Wolfgang Blaas/Ger­ hard Rüsch/Brigitta Brezina/Claudia Doubek, Mehr Markt oder mehr Staat im Wohnungswesen, Böhlau-Verlag, Wien 1991 , 3 18 Seiten, öS 588,- Zeitpunkt und Thema für diese Pu­ blikation waren gut gewählt. Die Wohnungspolitik ist in Diskussion ge­ raten. Grund: die sich verschärfenden Probleme in der Wohnungsversorgung. Auch die Koalitionsparteien haben vereinbart, durch verschiedenste Maß­ nahmen der staatlichen Intervention auch zukünftig allen Einwohnern eine angemessene Wohnversorgung zu "leistbaren" Preisen wieder zu ermög­ lichen. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, so die Autoren, "unbelastet von ideo­ logischer Überfrachtung" , die ökono­ mische und gesellschaftliche Funktio­ nalität staatlicher Interventionen im Wohnungssektor zu beurteilen. Im Vordergrund standen dabei drei Fra­ genkomplexe: - Inwieweit lassen sich die wichtig­ sten staatlichen Interventionen mit Marktversagen begründen? - Wie wirken sich die staatlichen In­ terventionen auf die Wohnungsver­ sorgung aus? Gibt es neben dem Marktversagen auch ein Staatsver­ sagen? - Wie soll ein zeitgemäßes Muster staatlicher Intervention im Woh­ nungswesen beschaffen sein? Die Arbeit ist in vier Abschnitte ge­ gliedert. Im ersten Teil - den theoreti­ schen Grundlagen - werden Grundla­ gen der ökonomischen Theorie der Wohnungspolitk referiert. Im Vorder­ grund stehen dabei die ökonomischen Besonderheiten des Wohnungsmark­ tes. Resümee dieser Darstellung: Das Zustandekommen eines Gleichge­ wichtes auf dem Wohnungsmarkt darf nicht erwartet werden. Es besteht da­ her "ein allokationspolitischer Hand­ lungsbedarf" (Seite 387) . Daneben be­ steht aber auch ein eventueller ver­ teilungspolitischer Handlungs bedarf "und zwar dann, wenn ein signifikan­ ter Anteil der Bevölkerung das Be­ dürfnis nach einer eigenen oder gemie­ teten Wohnung nicht befriedigen kann" . Dieser "verteilungspolitische Hand­ lungsbedarf" wird auch im zweiten Teil der Arbeit anhand empirischer Daten nachgewiesen: allerdings nur bezüglich der Neubauwohnungen: die Neubaukosten - inkl. einer angemes­ senen Kapitalverzinsung - sind so hoch, daß "ein wesentlicher Teil der Bevölkerung nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft eine qualitätsmäßig an­ gemessene Neubauwohnung zu erwer­ ben" (Seite 290) . Nach all dem vielen statistischen Datenmaterial registriert man allerdings etwas enttäuscht das Fehlen einer Analyse über "die Leist­ barkeit" des älteren geförderten Woh­ nungsbestandes und welche Rolle die­ ser Bestand im Rahmen verteilungspo­ litischer Zielsetzungen in der Wohn­ versorgung spielen könnte. Für den Wohnungspolitiker am inte­ resantesten ist der dritte Teil der Stu­ die. Dieser Teil befaßt sich mit den zentralen staatlichen Interventionen im Wohnungswesen, nämlich mit der Wohnbauförderung, dem Mietrecht und der Wohnungsgemeinnützigkeit. Anhand von statistischem Datenma­ terial wird die Wirkung der drei In­ strumente dargestellt und beurteilt. Davon ausgehend werden auch kon­ krete Reorganisationsvorschläge, die nach Meinung der Autorinnen und Autoren den Zielerreichungsgrad er­ höhen, gemacht. Dieser Teil des Buches - er umfaßt etwa die Hälfte des gesamten umfang­ reichen Werkes - stellt systematisch und gut gegliedert die einzelnen In- 421