die Universitäten die gesellschaftli­ che Nachfrage nach ihren (innovati­ ven) Leistungen in der Forschung, der Ausbildung von hochqualifi­ zierten Arbeitskräften sowie im Dienstleistungs hereich befriedigen (sog. "Externe Funktionalität" ) . Das heißt, ausschlaggebend ist der Beitrag, den die Universitäten zur Entwicklung von Wirtschaft und Ge­ sellschaft leisten, wobei neben den staatlichen Interessen noch ein tradi­ tionelles Kriterium dazukommt: Die Universität hat als Forschungseinrich­ tung ihren Beitrag zur Entwicklung der Wissenschaften zu leisten (advan­ cement of knowledge) , welcher das Ansehen der Institution in der "scien­ tific community" bestimmt. Die Problemlösungsmodelle bein­ halten die Einführung von Konkur­ renzmechanismen innerhalb der ein­ zelnen Universitäten, zwischen den nationalen Universitäten und im in­ ternationalen Kontext, wobei als not­ wendige Voraussetzung die Autonomie der einzelnen Universitäten hinsicht­ lich ihrer Organisationsform, der Struktur ihres Leistungsangebotes in Forschung und Lehre und der Verwen­ dung ihrer Finanzmittel gesehen wird. Die Realisierung von Autonomie er­ fordert wiederum eine völlig neue Be­ ziehung zwischen Staat und Univer­ sitäten: Der Staat soll nicht mehr di­ rekt in den Hochschulbereich eingrei­ fen, sondern vor allem den Finanzie­ rungsrahmen vorgeben, eine "Qua­ litätskontrolle" der Leistungserbrin­ gung durchführen und ein Leistungs­ anreizsystem mittels Erhöhung (oder auch Senkung) der zugewiesenen Mit­ tel entwickeln. Den Universitäten bliebe dann die Freiheit, Schwerpunk­ te zu setzen und "für die Finanzierung ihrer Vorhaben nach alternativen Möglichkeiten zu suchen" , z. B. in Form von Weiterbildungsangeboten, Kooperationen mit der Wirtschaft usw. Autonomie heißt jedoch nicht, daß die Hochschulen machen können, was sie wollen. Der Staat erhält - als Geld­ geber - sehr wohl die Möglichkeit, in das universitäre "Planspiel" einzu­ greifen, Mißliebiges durch finanzielle "Bestrafung" aus der Welt zu schaffen und Gewünschtes zu fördern. Abgeschafft sollen nur die langwie­ rigen und bürokratischen unmittelba­ ren Lenkungseingriffe des Staates in das Hochschulleben werden. In diesem Sinne wird von einem der Autoren eine parlamentarische Kontrolle gefordert, die verhindern soll, daß das Instru­ mentarium der Mittelzuweisung zur politischen Disziplinierung miß­ braucht wird. Die "alternativen Fi­ nanzierungsmöglichkeiten" der Hoch­ schulen - wie z. B. die F&E-Koopera­ tion mit Wirtschaftsunternehmen - haben in Folge der in den letzten Jah­ ren im Hochschulsektor mancher Industrieländer erfolgten budgetären Kürzungen einen neuen Stellenwert erhalten und gewinnen immer mehr an Bedeutung. Jürgen Schramm verweist hier allerdings auf die Gefahr der Ent­ stehung einer finanziellen Abhängig­ keit von den Auftraggebern und der damit verbundenen Vernachlässigung der grundlegenden Forschungs- und Lehrtätigkeit an den Universitäten. Daher sollten Kooperationen mit pri­ vaten Auftraggebern staatlich kon­ trolliert (nicht gesteuert ! ) und nur dann zugelassen werden, wenn ein Mindestmaß an Transparenz, das heißt, das Recht auf Veröffentlichung der Forschungsergebnisse, gewährlei­ stet ist. Mit dem Ziel der Schaffung einer "kostengünstigeren und hochwertige­ ren Lehre und Forschung, die den ge­ sellschaftlichen und wissenschaftli­ chen Bedürfnissen Rechnung tragen", wurden im Laufe der siebziger und der achtziger Jahre in den Niederlanden zahlreiche Konzepte erprobt, wobei es mitunter auch viele Mißerfolge gab. Die Entwicklung eines neuen Hoch­ schulplanungssystems durch die re­ nommierte Unternehmensberatungs­ firma McKinsey scheiterte am man­ gelnden Interesse der Universitäten. Anreize zur Reform entstanden erst durch die ersten budgetären Kürzun- 425