Privat- und Staatseigentum an den Unternehmungen. Der Zusammen­ bruch des sogenannten "realen Sozia­ lismus" in Osteuropa hat nur be­ stätigt, was schon seit längerer Zeit er­ kennbar war, nämlich daß die Markt­ wirtschaft einer staatlichen Planwirt­ schaft an Leistungsfähigkeit weit überlegen ist und daß Dynamik und Effizienz einer Wirtschaft von den pri­ vaten Unternehmungen ihre entschei­ denden Impulse erhält. Kienzl geht in diesem Zusammenhang auch auf die Schwäche der eigenen Vorstellungen über die Rolle gemeinwirtschaftlicher Unternehmungen ein: "Wenn man die Forderungen und Erwartungen, die an die Gemeinwirtschaft gerichtet wur­ den und die man in sie setzte, mit den Entwicklungen in den späten siebziger Jahren und Anfang der achtziger Jah­ re vergleicht, muß man wohl ehrli­ cherweise bekennen, daß die übertrie­ benen Erwartungen, die man in die Gemeinwirtschaft setzte, zu vielen Fehlentwicklungen, die die Gemein­ wirtschaft vor allem in den achtziger Jahren in Bedrängnis brachten, führ­ ten. Betriebliche Mehrleistungen auf lohn- und sozialpolitischem Gebiet, Widerstand der Betriebsvertretungen gegen notwendige Anpassung an geän­ derte wirtschaftliche Bedingungen und nicht zuletzt ein Management, das auch lieber den bequemen Weg der In­ tervention bei den Landes- und Bun­ despolitikern statt der mühsamen An­ passung, allenfalls mit Konflikten mit der Belegschaft, wählte, haben die Ge­ meinwirtschaft weit mehr abgewertet als es, gemessen an ihren Zukunftsauf­ gaben, gerechtfertigt ist. Da aber der ÖGB klugerweise der Gemeinwirt­ schaft bei weitem nicht jene Bedeu­ tung zugemessen hat, die manche anti­ kapitalistische Schwärmer ihr zumes­ sen wollen, ist er -wenn man das bild­ lich so ausdrücken kann - ein wenig gestolpert, aber nicht hingefallen. " (S. 23 f.) Andererseits warnt der Autor auch vor einer totalen Staatsfeindlichkeit der Wirtschaftspolitik, zu der das Pen- del derzeit vor allem in den ehemali­ gen Ostblockstaaten auszuschlagen droht. Wenn der Staat die ihm zukom­ menden Aufgaben auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik in Bereichen wie Infrastruktur und soziale Sicherheit nicht aktiv wahrnimmt, so sind davon ebenso nachteilige Auswirkungen zu erwarten wie von einer überzogenen Staatsintervention. Eingehend setzt sich Kienzl mit der Bedeutung von Verbänden und Sozial­ partnerschaft für die Wirtschaftspoli­ tik und vor allem mit der Kritik von rechts und links an ihrer Wirkungs­ weise auseinander. Er schreibt jenen Einrichtungen, die er selbst mitge­ schaffen oder mitgeprägt hat, nicht nur eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung der Preisstabilität und indi­ rekt damit auch des hohen Beschäfti­ gungsniveaus in den schwierigen sieb­ ziger und achtziger Jahren zu, sondern zeigt auch anband von Meinungsum­ fragen ihre ungebrochene Akzeptanz auf, die er in der betrieblichen Koope­ ration und auch in der Österreichi­ schen Mentalität verankert sieht. "Manche Kritiker finden, daß die Österreicher eine Konfliktscheu hät­ ten, und daß diese Konfliktscheu eine Frucht der schlimmen Erfahrungen der Ersten Republik sei, als eigentlich dauernd Bürgerkrieg herrschte und sich die politischen Lager als Todfein­ de sahen. Sie handelten von Zeit zu Zeit wie Todfeinde, man denke nur an den Aufstand des Schutzbundes, den Aufstand der Nationalsozialisten, bei­ des im Jahre 1934, und natürlich auch an die bürgerkriegsähnlichen Zustän­ de in den zwanziger Jahren und den Terror der austrofaschistischen Regie­ rungen. Nun ist es nicht Aufgabe der politi­ schen Parteien, und noch weniger der Interessenvertretungen, durch Stel­ lungskämpfe oder Offensiven der Journalistik Schlagzeilen und den po­ litologischen Lehrstühlen Forschungs­ material und Themen für Dissertatio­ nen zu liefern. Jedenfalls hat die Er­ fahrung in der Zweiten Republik und 553