WIRTSCHAFTSPOLITIK UND FINANZMÄRKTE Rezension von: Werner Kamppeter, Kapital- und Devisenmärkte als Her­ ausforderung für die Wirtschaftspoli­ tik, Campus-Verlag, Reihe Forschung Band 618 , Frankfurt/New York 1990, 284 Seiten, DM 58,- Mit dem Zusammenbruch des Wech­ selkursregimes von Bretton-Woods in den Jahren 1971-1973 waren von theo­ retischer Seite (mit wenigen Ausnah­ men) äußerst positive Erwartungen an die Funktionsfähigkeit eines zukünfti­ gen Systems flexibler Wechselkurse verbunden gewesen. Die Wechselkurse würden sich an den jeweiligen ma­ kroökonomischen "fundamentals" orientieren, sich durch Zinsarbitrage und Wechselkursspekulation sehr sta­ bil entwickeln und so bei ausgegliche­ nen Leistungsbilanzen für eine Er­ höhung der nationalen wirtschaftspo­ litischen Autonomie sorgen. Betrachtet man die Entwicklungen der Wechselkurse der letzten zwanzig Jahre, so könnte kaum ein größerer Unterschied festgestellt werden, als er hier zwischen theoretischem Anspruch und tatsächlicher Entwicklung vor­ liegt. Weder die Kaufkraftparitäten­ theorie noch die Zinsparitätentheorie oder eine "naive" Wechselkurstheorie, die die Kursentwicklung von leis­ tungsbilanzbedingtem Devisenange­ bot und -nachfrage abhängig macht, können eine akzeptable Erklärung für den tatsächlichen Wechselkursverlauf liefern. Die reale Diagnose müßte viel eher lauten: Die Wechselkursentwick­ lung ist von der Entwicklung der "fun­ damentals" wie Leistungsbilanzsal­ den, Preisniveaudifferenzen, Zinsdif­ ferenzen oder Differenzen im HIP­ Wachstum weitgehend unabhängig. 556 Die Ursache hiefür liegt im wesent­ lichen darin, daß der überwiegende Teil der Devisentransaktionen in kei­ nem oder nur sehr geringen Zusam­ menhang mit internationalen Lei­ stungstransaktionen steht. Das nicht an den "fundamentals" orientierte Ei­ genleben der Devisen- und Kapital­ märkte und die daraus resultierenden Störeffekte auf die realwirtschaftliche Entwicklung stehen im Mittelpunkt der Untersuchung von Werner Kamp­ peter. Im ersten Teil seiner Analyse der Devisen- und Kapitalmärkte geht Kamppeter auf den Zusammenhang von Spekulation und W echselkursent­ wicklung ein (Kapitel 5) . Er zeigt da­ bei den prägenden Einfluß, den die Dynamiken spekulativer Erwartungen auf kurzfristige, mittelfristige und langfristige Kursbewegungen haben. Im kurzfristigen Bereich spielen die ebenso kurzfristig orientierten Devi­ senspekulationen der professionellen Devisenhändler die entscheidende Rolle, wobei die wichtigste Determi­ nante der Spekulationen kollektiv ge­ bildete, kurzfristige Wechselkurser­ wartungen sind. Instrumentarien der "technischen Analyse" erlauben die Instabilität der Wechselkurse zu profi­ tabler Spekulation zu nutzen, erzeu­ gen gleichzeitig aber selbst erneut zy­ klische Bewegungen der Wechselkur­ se. Die mittelfristigen Wechselkursbe­ wegungen sind laut Kamppeter durch die internationalen privaten Kapital­ bewegungen bestimmt, die selbst aber wieder weniger durch internationale Zinsdifferenzen als viel mehr durch die spekulativen Erwartungen der Anleger geprägt werden. Die langfristigen Wechselkursbewe­ gungen sieht Kamppeter, trotz grober Orientierung an der Kaufkraftparität, durch sich überlagernde Wellen kurz­ und mittelfristiger Spekulation deter­ miniert. Eine ähnliche Diagnose wie für die internationalen Devisenmärkte trifft Kamppeter auch für die nationalen