und internationalen Kapitalmärkte (Kapitel 9, wobei in Kapitel 10 und 1 1 auf die jeweiligen Besonderheiten der Beziehungen zwischen Realwirtschaf­ ten und Kapitalmärkten in den USA, der BRD und Japan eingegangen wird). Auch sie sind von Kurzfristig­ keit und Dynamiken spekulativer Er­ wartungen geprägt, was ihre Los­ gelöstheit von realwirtschaftlichen Bedingungen erklärt. Den tieferen Grund dafür ortet Kamppeter in der Überforderung der Devisen- und Kapitalmärkte: Die Er­ wartungsbildung ist durch enorme Unsicherheiten geprägt, sodaß sie, un­ ter Nichtbeachtung relevanter realer Entwicklungen, in einem kollektiven Prozeß der Marktteilnehmer erfolgt, der wiederum zumindest temporär Charakteristika einer self-fullfilling­ prophecy aufweist. Die zweite Ursa­ che besteht in der hohen Reaktionsge­ schwindigkeit und dem hohen Liqui­ ditätsgrad auf den monetären Märk­ ten. In nur eingeschränktem Ausmaß geht Kamppeter in seiner Arbeit auf die Bestimmungsgründe für die enor­ me Zunahme von Umfang und Dyna­ mik der monetären Märkte in den letz­ ten Jahren ein. Hier ergeben sich ohne Zweifel vielfältige interessante Fra­ gen. Ein wichtiger Ausgangspunkt für Auseinandersetzungen mit diesen Fra­ gen müßte dabei wohl m. E. die we­ sentlichen Änderungen im internatio­ nalen Regulierungsregime (zunehmen­ de Bedeutung des Monetarismus und der mit der Supply-side-economics verbundenen Deregulierungseuphorie) und die dahinterliegenden politökono­ mischen Ursachen sein. In einem nächsten Schritt stellt sich Kamppeter die Frage, welche Auswir­ kungen die Wechselkursbewegungen auf die Leistungsbilanzen haben. Die empirische Analyse für die USA und die BRD zeigt hierbei keine kausalen Zusammenhänge. Diese mangelnde Reagibilität ist dabei zumindest im Fall der USA - laut Kamppeter - kein Anlaß für Elastizitätspessimismus, je- denfalls nicht auf der Angebotsseite, wo, verzögert um deutliche J-Kurven­ Effekte, "normale" Reaktionen fest­ stellbar sind. Hingegen verhinderten die Entwicklungen der Nachfrageseite entsprechende Verbesserungen der US-Leistungsbilanz nach den immen­ sen Abwertungen zwischen 1969 und 1979 bzw. 1985 und 1987 . Als Erklärung bietet Kamppeter viel mehr den makroökonomisch orientier­ ten Absorptionsansatz an, wonach die Leistungsbilanzungleichgewichte der 80er Jahre durch immense Ersparnis­ überschüsse in der BRD und in Japan (sinkende Budgetdefizite, geringere Unternehmensverschuldung, steigen­ de private Ersparnisbildung) und der dazu komplementären Ersparnislücke in den USA bedingt werden. In der Kamppetersehen Deutung müssen die überschüssigen privaten Ersparnisse der ERD, die in den 80er Jahren in deutlich geringerem Ausmaß durch Unternehmen und Staat bean­ sprucht wurden, notwendigerweise in Form von Kapitalexporten die US-Er­ sparnislücke finanzieren. Diese Ana­ lyse ist zwar der Saldenmechanik, die quasi tautologisch ist, nach richtig, scheint mir aber, vor allem die Kausa­ litätsbeziehungen betreffend, etwas zu wenig tiefgehend. In der Kreislauf­ theorie ist das private Sparen nämlich nicht eine autonome, sondern eine ab­ hängige Größe, die - neben dem Volks­ einkommen - von der Verteilungsrela­ tion beeinflußt wird. Das wiederum heißt, daß alternativ zu den Leistungs­ bilanzüberschüssen bzw. Kapitalex­ porten die Saldenmechanik auch über eine sinkende Gewinnquote und das daraus folgende geringere Sparen ge­ geben gewesen wäre. Dies zeigt sehr deutlich, daß Vertei­ lungsfragen in Zusammenhang mit in­ ternationalen monetären und realen Transaktionen viel mehr Aufmerk­ samkeit gewidmet werden sollte. Insgesamt ändert das aber nichts daran, daß - wie Kamppeter betont - der, auf welchem Weg auch immer er­ folgende, Ausgleich der Absorptions- 557