GELDWIRTSCHAFT IM MITTELALTER Michael North (Hrsg.) , Geldumlauf, Währungssysteme und Zahlungsver­ kehr in Nordwesteuropa 1300-1800. Beiträge zur Geldgeschichte der spä- ten Hansezeit. Böhlau Verlag Köln-Wien, 1989, öS 193,-. Die Dynamik der wirtschaftsge­ schichtlichen Forschung führt in jün­ gerer Zeit nicht nur dazu, stets neue Themen zu untersuchen, sondern auch Nachbarwissenschaften in die eigenen Forschungen zu integrieren. Ein an­ schauliches Beispiel dafür bietet der von M. North herausgegebene Sam­ melband über die Entwicklung des Geldwesens in Nordwesteuropa vom Mittelalter bis zum Merkantilismus. P. Berghaus (Hansisches Geld in Westfalen) sowie J. St. Jensen (Lü­ becker und Hamburger Münzen in Dä­ nischen Schatzfunden 1450-1660) ver­ mitteln durch Analyse von Schatzfun­ den jene Informationen über Münzsor­ ten und deren Verbreitung, welche der Ökonom für weitere Forschungen aus­ werten kann. E. Aerts (Der Geldum­ lauf in den Burgundischen Niederlan­ den im 15 . Jahrhundert) versucht aus solchen Daten die Geldmenge in der Weise zu errechnen, daß er Schatzfun­ de als Stichproben betrachtet. Da für diese Region präzise Abrechnungen der Münzstätten vorliegen, läßt sich aus dem Anteil solcher Münzen am Fund bzw. den Funden die gesamte Geldmenge hochrechnen. Dieser Ab­ schnitt wird durch eine Arbeit von E. Simek über die Münzproduktion in Böhmen ergänzt. Die zahlreichen Währungssysteme dieser Zeit war durch ganz bestimmte, öffentlich geregelte Relationen zwi­ schen den verschiedenen Münzsorten 576 gekennzeichnet, die sich nach deren Edelmetallgehalt richteten. H. Witt­ höft (Die Kölner Mark zur Hansezeit) demonstriert, daß sich Wandlungen solcher Regeln unter dem Einfluß aus­ ländischer Handelszentren vollziehen konnten. P. Spufford beschäftigt sich mit den sozialen Determinanten der Währungspali tik (Münzverschlechte­ rung und Inflation in Europa). Seiner Auffassung zufolge, hatten nur die grundherrliehen Rentenbezieher ein Interesse an einer "guten, harten" Währung, wogegen andere soziale Gruppen dieses Interesse keineswegs teilten. Diese starke Aussage müßte wohl noch kräftiger untermauert wer­ den - offensichtlich auch nach Mei­ nung des Herausgebers, wenn dieser dazu schreibt: "Jedoch bedarf es noch eingehender preisgeschichtlicher Stu­ dien, um die Folgen von Münzverän­ derungen für Wirtschaft und Gesell­ schaft abschätzen zu können." Die restlichen Arbeiten beschäftigen sich mit der Entwicklung des Zah­ lungsverkehrs und seinem Zusammen­ hang mit der Münzproduktion. St. J enks (Hartgeld und Wechsel im han­ seenglischen Handel des 15 . Jahrhun­ derts) zeigt, daß sich ab der Mitte des 15 . Jahrhunderts die englische Münz­ produktion weitgehend unabhängig von Außenhandelsvolumen und Zah­ lungsbilanz entwickelte, da die Außenhandelskaufleute offensichtlich nur beschränkte Bargeldbeträge benötigten. M.-Th. Boyer-Xambeu, G. Delepace, L. Gillard und J. Schneider (Goldstandard, Währung und Finanz im 16 . Jahrhundert) untersuchen die Bedeutung des Wechsels als Mittel des Geldtransfers - im Rahmen der soge­ nannten Wechselmessen, deren Tage in dem Augenblick gezählt waren, als der Wechsel durch Indossament über­ tragbar und damit Zahlungsmittel wurde, wie J. Schneider (Hat das In­ dossament zum Niedergang der Wech­ selmessen im 17 . und 18 . Jahrhundert beigetragen?) darlegt. Der Sammelband, welcher die Er­ gebnisse einer Tagung vermittelt, er-