Wirtschaft und Gesellschaft 3.3 Personenverkehr Der EWR-Vertrag schreibt die Frei­ zügigkeit der Arbeitnehmer sowie der Selbständigen und ihrer Familien im Europäischen Wirtschaftsraum auf der Basis der Gleichbehandlung mit den jeweiligen Staatsangehörigen vor. Diese Regelung wird durch die gegen­ seitige Anerkennung von Diplomen, Berufsausbildungen und Befähigungs­ nachweisen komplementiert (39). Zum einen würde das für Österreich die Abschaffung der Beschäftigungs­ bewilligung für EWR-Arbeitnehmer bedeuten. Zum anderen müßten für EWR-Bürger, was den Zugang zu den selbständigen Berufen betrifft, alle be­ stehenden Inländervorbehalte (z. B. im Zusammenhang mit der Erteilung von Konzessionen im Rahmen der Gewer­ beordnung) abgeschafft werden. Im Bereich der Hochschulausbil­ dung konnte Österreich, betreffend die Zahlung von Studiengebühren, keine Entlastungen durchsetzen. Die Auswirkungen auf den Öster­ reichischen Arbeitsmarkt sollten sich im großen und ganzen in Grenzen hal­ ten, nachdem Österreich im EWR aller Voraussicht nach nicht Ziel von Mi­ grationsbewegungen, sondern viel­ mehr Herkunftsland sein würde. Ten­ denziell wäre mit einem Anstieg der Abwanderung qualifizierter Arbeits­ kräfte zu rechnen - einer Entwicklung, der man im Lichte der zunehmenden Internationalisierung allerdings auch positive Aspekte abgewinnen könnte. 3.3.1 Soziale Standards Die EG verfügt im Bereich Sozialpo­ litik über wenig Kompetenzen und in der Folge kaum über verbindliche Re­ gelungen (40). Deshalb würde hier auch der EWR keine einschneidenden Veränderungen bringen, und das Schwergewicht in der Gestaltung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten würde weiterhin in 236 1 8. Jahrgang (1 992), Heft 2 Österreich liegen. Der im Dezember 1991 in Maastricht geschlossene Ver­ trag über die Europäische Union zeigt jedoch, daß die EG die Sozialpolitik ­ sehr langsam, aber doch kontinuier­ lich - zu "vergemeinschaften" (41) sucht. Ein positiver Impuls wäre im Fall ei­ ner EWR-Teilnahme von der Bestim­ mung über die Gleichbehandlung von Mann und Frau zu erwarten (42). 3.4 Flankierende und horizontale Po­ litiken Der EWR-Vertrag sieht nicht nur die o. a. Übernahme des EG-Wettbe­ werbsrechts sowie die Kooperation auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Währungspolitik vor, sondern regelt auch andere horizontale Politikberei­ che wie Gesellschaftsrecht, statisti­ sche Zusammenarbeit, Forschung und Entwicklung, Klein- und Mittelbetrie­ be, Tourismus sowie Sozial-, Umwelt­ und Konsumentenschutzpolitik neu. In der Folge werden zwei Bereiche, die in der öffentlichen Diskussion be­ sondere Aufmerksamkeit genießen, kurz dargesteil t: 3.4.1 Umweltpolitik Seit der 1 986 erfolgten Unterzeich­ nung der Einheitlichen Europäischen Akte bzw. ihrer Eingliederung in den EWG-Vertrag ist die Umweltpolitik erstens ein eigenständiger Politikbe­ reich der Zwölfergemeinschaft und zweitens ein integraler Bestandteil al­ ler anderen Gemeinschaftspolitiken (42). Die Kommission hat bei der Aus­ arbeitung von Gesetzesvorschlägen im Umweltbereich von einem hohen Schutzniveau auszugehen (44). e Hinsichtlich analogbezogener Normen, die Immissions- und Emissi­ onsgrenzwerte regeln, würde die Teil­ nahme am EWR für Österreich v. a. die Anpassung an die strengere EG-Rege-