Wirtschaft und Gesellschaft stellt, wurde sie vor allem in den USA zur Grundlage professionalisierter Entscheidungsberatung. Was die Transmissionsprozesse vom Individu­ alverhalten zum Kollektivverhalten betrifft, so führt Feger an, daß hier Normen (Fairneß), Werte (gerechte Aufteilung) und Erwartungen (über die Wahrscheinlichkeit künftiger In­ teraktionen) eine Rolle spielen. Frey kommt in seiner Analyse der Anwendung ökonomischer Denkweise für die Mikroökonomie zu dem Ergeb­ nis, daß sie hier nur wenig zur Lösung von Gegenwartsproblemen beiträgt. Und auch die Makroökonomie könne durch ein realistischeres Men­ schenbild und die Berücksichtigung von Institutionen nur gewinnen. Er sieht drei Schwächen des ökono­ mischen Verhaltensmodells in Zusam­ menhang mit dem Trittbrettfahren bei öffentlichen Gütern, den verzerrten Wahrnehmungen und der Schwierig­ keit, Menschen zu beeinflussen. Opp arbeitet in seinem Beitrag die Gemeinsamkeiten von Ökonomie und Soziologie heraus und kommt zu der Schlußfolgerung " . . . der ökonomische Imperialismus kann in der Soziologie sicherlich zu einem Erkenntnisfort­ schritt führen. Die Imperialisten soll­ ten aber nicht übersehen, daß sie von ihren Opfern auch etwas lernen kön­ nen. " (S. 125) Nun könnte man aus sei­ nen Darlegungen aber auch einen ganz anderen Schluß ziehen. Er zitiert näm­ lich den "Erzkollektivist" Engels als Beleg dafür, daß das ökonomische Mo­ dell zur Erklärung allgemeiner gesell- 242 1 8. Jahrgang (1 992), Heft 2 schaftlicher Tatbestände geeignet sei. Engels sagt in diesem Zitat: "Die Zwecke der Handlungen sind gewollt, aber die Resultate, die wirklich aus den Handlungen folgen, sind nicht ge­ wollt oder, soweit sie dem gewollten Zweck zunächst doch zu entsprechen scheinen, haben sie schließlich ganz andere als die gewollten Folgen. " Folgt daraus nicht, daß, wenn Indivi­ duen ihren Nutzen maximieren, in Summe etwas herauskommt, was kei­ ner gewollt hat, und gemeinsame Ziele sicher nicht erreichbar sind, wenn je­ der tut, was ihm nützlich erscheint? Das Schlußwort sprechen Juristen. Ein Abwägen von Kosten und Nutzen könne es z. B. zu einer Optimierungs­ aufgabe werden lassen, inwieweit Ko­ sten für die Unfallverhütung im Ver­ gleich mit den finanziellen Schäden durch Unfälle gerechtfertigt sind. Ein Einfließen solcher Überlegungen kon­ kurriert allerdings mit anderen Zielen, die mit der Zubilligung von Ersatzan­ sprüchen verfolgt werden: der Wieder­ herstellung des gestörten Rechtsfrie­ dens, der moralischen Genugtuung für den Geschädigten und der Stärkung des Vertrauens in den Schutz durch die Rechtsordnung (Kötz, S. 1 6 1). In Summe erlauben die in diesem Band präsentierten Forschungsziele einzelner sozialwissenschaftlicher Disziplinen einen Blick in mehrere Wissenschaftsbereiche und fördern von einem außerhalb des eigenen Fachbereichs gelegenen Standpunkt die Reflexion über das eigene Tun. Irene Geldner