Wirtschaft und Gesellschaft wicklungsprognose. T. Eger und P. Weise entwickeln ein Transformati­ onsmodell aus der ökonomischen Ka­ tastrophentheorie. H. Maier beschäf­ tigt sich eingehend mit dem Scheitern der Perestroika, verstanden als "auf­ geklärter Absolutismus" , sowie eines plan- und marktwirtschaftliehen Mischsystems. Diese Problematik wird auch von B. Krug unter dem Gesichts­ winkel der Institutionentheorie analy­ siert. Den Kern der Studie findet man im Abschnitt über das "Geldwesen" . H. Riese stellt fest, "daß der Gegenüber­ stellung von Kapitalismus und Sozia­ lismus und noch mehr von Marktwirt­ schaft und Planwirtschaft jene Ein­ deutigkeit fehlt, die es erlaubt, von ei­ ner Systemüberlegenheit zu spre­ chen" . Diese ergäbe sich schon daraus, daß der Überlegenheit der Marktwirt­ schaft in der ersten Welt eine eben­ solche Insuffizienz in der dritten ge­ genüberstehe. Es fehle eine allgemeine Theorie für die "Funktionsbedingun­ gen von Systemen" . Ihm scheint am ehesten die Rückbesinnung auf das traditionelle Systemkriterium Privat­ eigentum versus gesellschaftliches Ei­ gentum sinnvoll. Ersteres bedeutet private Aneignung des Zinses bzw. Profits, letzteres dessen gesellschaftli­ che. Gibt man dem Zinsanspruch eine monetäre Fundierung, dann sind Ka­ pitalismus und Geldwirtschaft Syno­ nyme sowie Sozialismus und Plan­ wirtschaft. Damit verliert das Kriteri­ um der Systemüberlegenheit im wohl­ fahrtsökonomischen Sinn seine Be­ deutung und wird durch jenes der Funktionsfähigkeit des Systems er­ setzt. Der Sozialismus scheiterte erst dann, "als er sich den Funktionsbedin­ gungen des Kapitalismus stellen muß­ te. Erst in diesem Moment hat er sich im strengen Sinne überhaupt erst ei­ ner Systemkonkurrenz gestellt. Das aber bedeutet, daß eben nicht die Ver­ letzung der wohlfahrtsökonomisch be- 1 8. Jahrgang (1 992), Heft 2 stimmten Normen der liberalen Öko­ nomie, sondern deren Akzeptanz den Niedergang der sozialistischen Ökono­ mien verursacht hat. Denn sie gerieten mit dieser Normakzeptanz in Wider­ spruch zu den Funktionsbedingungen der Planwirtschaft und setzten sich ei­ ner Systemkonkurrenz aus, die sie nicht bestehen konnten" (S. 129) . Wie stets sind die Überlegungen des Autors originell. Dennoch fordern sie zu einigem Nachdenken heraus: Da ist zunächst die Einbeziehung der dritten Welt in die (Nicht-)Gegenüberstellung von Kapitalismus und Sozialismus. Das scheint unzulässig, erstens, weil diese nicht einfach dem Kapitalismus zugerechnet werden kann. Es gab viele solcher Länder sozialistischen Zu­ schnitts - die letzte Säule, geborsten schon, ist Kuba -, und zweitens ist de­ ren geringere Produktionsleistung auf die zeitliche Sequenz des Industria­ lisierungsprozesses zurückzuführen. Weiters aber liefert Riese eine Ex­ post-Kategorisierung. Die sozialisti­ schen Klassiker konnten und wollten sich keine Gedanken über rechenhaf­ tes Wirtschaften im Sozialismus ma­ chen - auch die sozialdemokratischen Programme der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts blieben darin sehr vage - aber nach Wissen des Re­ zensenten gibt es nirgendwo in der so­ zialistischen Literatur auch nur einen Ansatz, materiellen Mangel zur Be­ wahrung der gesellschaftlichen Aneig­ nung des Profits in Kauf zu nehmen. Jeglicher sinnvolle Sozialismusbegriff wird wohl den wohlfahrtsökonomi­ schen Aspekt nicht ausschalten kön­ nen. Das meint der Autor letztlich auch selbst, wenn er schreibt: "Mangelwirt­ schaft und Stagnation lassen sich nur schwer mit sozialistischen Normen in Einklang bringen" (S. 135) . Und daher widmet er den Großteil seines Beitra­ ges der Systemkonkurrenz von Geld­ wirtschaft und Planwirtschaft und ex­ pliziert subtil die zentrale Rolle des Geldes und Zinses bzw. Profits für die 255