Wirtschaft und Gesellschaft bindung in die Bewirtschaftungspoli­ tik des Ersten Weltkrieges und in den späten zwanziger Jahren (Kapitel 2) . Den wesentlichen Grund für diese er­ folgreiche Entwicklung sieht Brazda nicht zuletzt in den ökonomischen Vorteilen, die die Konsumgenossen­ schaften während dieser Inflations­ jahre ihren Mitgliedern boten. Das ge­ nossenschaftliche Bewußtsein als Teil eines allgemeinen Klassenbewußtseins hingegen verlor im Zusammenhang mit der zunehmenden politischen und gesellschaftlichen Integration der Ar­ beiterschaft an Bedeutung. Nach der Gleichschaltung im Dritten Reich wurde 1 945 eine einheitliche Konsum­ genossenschaftsbewegung gegründet. Diese unterstellte sich zwar grund­ sätzlich den Gesetzen des Marktes und freien Wettbewerbes, konnte jedoch mit dem Strukturwandel im Einzel­ handel nicht Schritt halten. Anfang der siebziger Jahre waren die veralte­ ten Konsum-Läden nicht mehr wett­ bewerbsfähig. Die regionalen Genos­ senschaften konzentrieren sich dar­ aufhin unter einer zentralen coop­ Holding-AG. Pari passu wandelten sich auch fünf der sieben großen Re­ gionalgenossenschaften zu Aktienge­ sellschaften um. Als strukturelle Schwächen der neuen Unternehmens­ gruppe betont Brazda, daß nur notlei­ dende coop-Genossenschaften die Konzernierung mittrugen und daß der Rechtsformwandel nicht mit einer neuen Unternehmensstrategie verbun­ den war. So war die coop stets auf Zu­ schüsse ihrer Kapitaleigner, mehrheit­ lich der Bank für Gemeinwirtschaft sowie der Gewerkschaftsholding, an­ gewiesen. Nachdem die beiden Hauptaktionäre aufgrund eigener Fi­ nanzschwächen ihre Anteile abgeben mußten, wurden Mitte der achtziger Jahre schwere Liquiditätsengpässe und die hohe Verschuldung des Kon­ zerns evident. Darüber hinaus enthüll­ ten Berichte eines deutschen Nach­ richtenmagazins in den Jahren 1987 und 1 988 abenteuerliche Firmen- und 266 1 8. Jahrgang (1 992), Heft 2 Beteiligungskonstruktionen. Diese Be­ richte führten zum Rückzug der Gläu­ biger und letztlich zur Notwendigkeit der Veräußerung der einzelnen Unter­ nehmensteile. Erfolgreich überlebt ha­ ben wenige lokale Konsumgenossen­ schaften. Brazda hebt als frühe Ursa­ chen für das Scheitern der Konsumge­ nossenschaften den Nachkriegskon­ servativismus der Führung hervor, als rezente Gründe eine unkontrollierte Expansion und die Inkompetenz der Gewerkschaft als Eigentümer und Un­ ternehmer (Kapitel 3). Auf die Ma­ chenschaften des coop-Vorstands bei Vernachlässigung des Stammgeschäf­ tes geht der Autor nur kurz ein. Gera­ de diese Faktoren führten allerdings m. E. den zwar schwer angeschla­ genen, aber grundsätzlich sanierungs­ fähigen Handelskonzern in die Kata­ strophe. Zur Untersuchung der Krise der französischen Konsumgenossenschaf­ ten geht auch Schediwy im Kapitel 1 seiner Studie zu den Wurzeln der ge­ nossenschaftlichen Frühzeit zurück. Abgesehen von der überaus erfolgrei­ chen Regionalorganisation Nancy er­ weisen sich die französischen Genos­ senschaften von Anfang an als relativ schwach. Den endgültigen Verlust ihrer Pionierrolle im Einzelhandel mußten die Regionalgenossenschaften nach 1 945 im Wettbewerb gegen pri­ vate Großfilialisten hinnehmen. Die häufig als kleine Familienbetriebe ge­ führten Läden verloren bald ihr posi­ tives Image bei jüngeren und preisbe­ wußten Konsumenten. Auch in Frank­ reich unterließ oder verzögerte die Führung längst fällige Investitionen in moderne Technologien und Humanka­ pitaL Methoden rentablen Manage­ ments wurden weitgehend negiert. Darüber hinaus behinderte die Domi­ nanz der großen Regionalgenossen­ schaften gegenüber der relativen Schwäche der Pariser Zentralorgani­ sationen die rechtzeitige Sanierung der notleidenden Unternehmensgrup­ pe. Die Finanzierungs- und Verschul-