1 8. Jahrgang (1 992), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft Direktinvestitionen und Standortverhalten von multinationalen Unternehmen. Eine theoretische und empirische Analyse für die Stadt Wien1 Jörg Lüning 1. Einleitung Internationale realgüterwirtschaftliche Beziehungen vollzogen sich jahrhundertelang in der Form des internationalen Handels, des Exports und Imports von Waren. Ungefähr seit Anfang dieses Jahrhunderts sind neben den herkömmlichen Handelsbeziehungen auch internationale Produktionsbeziehungen getreten, die hauptsächlich von Unternehmen der führenden westlichen Industrieländer vorgenommen wurden. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges haben die Direktinvestitionen, womit zunächst das Aufkaufen oder die Neugründung von Produktionsstätten gemeint ist, stark zugenommen (1) . Die hohen Direktinvestitionen in den fünfziger und sechziger Jahren sind fast ausschließlich auf die Aktivitä­ ten von Unternehmen aus den führenden westlichen Industrieländern zurückzuführen, wobei insgesamt den USA eine exponierte Stellung bei der Vornahme der Direktinvestitionen zugekommen ist. Seit den siebzi­ ger Jahren hat sich der Kreis der direktinvestierenden Unternehmen vergrößert, da sich verstärkt mittelständische Unternehmen und auch Unternehmen aus relativ fortgeschrittenen Entwicklungsländern an Auslandsinvestitionen beteiligen. Österreich ist in den vergangenen 15 Jahren vermehrt in die interna­ tionale Arbeitsteilung eingebunden worden. Nach einer empirischen Studie (2) hat Österreich neben Kanada und Irland den höchsten Grad der ausländischen Durchdringung von allen OECD-Ländern. Gemessen an den Beschäftigten befanden sich 1985 ungefähr 27 Prozent der Indu­ strie in ausländischem Mehrheitseigentum. Der Auslandseinfluß er- 1 Der Aufsatz ist eine Kurzfassung der Dissertation von Dr. Jörg Lüning, die vom Insti­ tut für Raumplanung, Stadt- und Regionalentwicklung (Ass. Prof. Dr. Franz Tödtling) an der WU Wien betreut wurde. 427