Wirtschaft und Gesellschaft Während der Hochblüte dieses Pro­ duktionsmodus waren fast alle Unter­ nehmensfunktionell in den Konzernen und Betrieben eingegliedert. In jünge­ rer Zeit findet ein breiter Prozeß der Auslagerung statt. Maier und Tödtling verweisen auch auf das Problem allzu großer Abhängigkeit der Kleinunter­ nehmen innerhalb von Netzwerken ge­ genüber Großunternehmungen, da in diesen Fällen die Tendenz zur Erstar­ rung in alten Industrieregionen Euro­ pas und der USA zu beobachten ist. Erfolgreiche Beispiele sind kleinbe­ triebliche Netzwerke im "Dritten Ita­ lien" , Baden-Württemberg und der Schweizer Jura-Region. Als neueste Entwicklung in diesem Bereich wird die Verbindung zu Unternehmungen, die Produzentendienste anbieten, er­ wähnt. Storger und Walker folgend, stellen Mayer und Tödtling fest, daß diese Unternehmungsverflechtungen das Ziel haben, Restriktionen des Raumes zu relativieren. Der letzte Schwerpunkt dieses Teils ist dem Zusammenhang zwischen Technologieentwicklung und Stan­ dortverhalten gewidmet, indem auf die Produktzyklustheorie und den Mi­ lieuansatz eingegangen wird. Nach ei­ ner Warnung vor einer Absolutsetzung der Produktzyklustheorie finden sich Hinweise auf wichtige Beispiele von High-Tech-Regionen in den USA, Westeuropa und Japan, aus denen die Bedeutung innovativer Universitäten und öffentlich geförderter Technolo­ gieparks hervorgeht. In Zeiten einer noch recht allgemei­ nen - aber abklingenden - Markteu­ phorie, die konträr zu den vergleichs­ weise sehr guten Wirtschaftsdaten in Österreich auf Basis eines gemischt­ wirtschaftlichen Systems auch hier noch immer vertreten wird, weisen die 568 1 8. Jahrgang (1 992), Heft 4 Verfasser auf die negativen Konse­ quenzen des häufig auftretenden Marktversagens, insbesondere im Be­ reich der regionalen Wirtschaftsent­ wicklung hin, ohne die Probleme, die sich aus öffentlichen Interventionen ergeben können, zu verschweigen. Durch den Charakter dieses Lehr­ buchs, das gleichzeitig auch ein gelun­ genes Kompendium regional- und stadtökonomischer Theorie darstellt, kommt fast unvermeidlich die Dar­ stellung der Krise vieler Städte und Regionen in den USA und Großbritan­ nien, die wesentlich durch das Fehlen einer ausgleichenden und regulieren­ den öffentlichen Industrie-, Infra­ struktur- und Sozialpolitik zu er­ klären ist, zu kurz. Diese Zusammen­ hänge finden in der wirtschaftspoliti­ schen Diskussion der USA in jüngster Zeit stärkere Beachtung. Die neuesten politischen Entwicklungen in den USA sind Ausdruck dieser sozialöko­ nomischen Krise. Trotz dieser Kritik soll der große Wert dieser Überblicks­ arbeit keineswegs geschmälert wer­ den. Ausgehend von der klassischen Theorie der Bodennutzung (Thünen) bieten Maier/Tödtling ferner einen Überblick zur Theorie und zu Model­ len der Siedlungsstrukturen und der Stadtsysteme (Lösch, Christaller). Die Phasenmodelle der Stadtent­ wicklung bilden den Abschluß ihrer gut lesbaren, sehr informativen Ar­ beit. Zu kurz in dieser Publikation kommt leider die Österreichische For­ schung zur Regional- und Stadtökono­ mie, was vermutlich mit der Kleinheit des Österreichischen Büchermarkts zu tun hat und den Umfang eines Kurz­ lehrbuches auch sprengen würde. Peter Kreisky