1 9. Jahrgang (1 993), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft Editorial Wachstumsverlangsamung und Krisenangst Die fetten Jahre - leider waren es keine sieben - sind vorbei. Folgen nun die mageren Jahre, und wenn ja , wieviele? Nach­ dem sich Österreich längere Zeit den negativen Erscheinun­ gen der internationalen Konjunkturschwäche entziehen konnte und berechtigte Hoffnung bestand, wieder einmal ein internationales Konjunkturtal erfolgreich durchtauchen zu können, mehren sich nun Stimmen, die düstere Krisenszena­ rien für die Österreichische Wirtschaft entwerfen. Tatsächlich beruhte diese Hoffnung auf ein Durchtauchen auf den Annahmen internationaler Konjunkturprognostiker, daß die 1990 eingetretene Wachstumsverlangsamung nur von kurzer Dauer sei und nicht allzu kräftig ausfalle. Dementspre­ chend wurde seit dem Ende des Golfkrieges im Frühjahr 1991 eine Erholung erwartet. Seit nunmehr zwei Jahren wird der Termin für den Beginn einer Aufschwungphase hinausgescho­ ben, der aktuelle Stand der Prognosen ist derzeit die Erwar­ tung, daß erst 1994 wieder Wachstumsraten um drei Prozent erreicht werden können. Der Aufschwung wird somit nicht nur zeitlich stark verzö­ gert, sondern auch wesentlich gedämpfter erwartet als nach früheren Rezessionsphasen. Die Belebung der amerikanischen Konjunktur nach dem Tiefpunkt im Jahre 1991 verläuft nur äußerst schleppend, und auch 1992 war die Gefahr eines zwei­ ten Tiefpunktes noch nicht gebannt. Die in den boomenden achtziger Jahren angehäuften Schuldenberge führen nicht nur in den USA, sondern insbesondere auch in Japan, Skandina­ vien und Großbritannien dazu, daß nach dem Wertverfall von Anlagen wie Aktien und Immobilien der Konsolidierungsbe­ darf bei Haushalten und Unternehmen die Nachfrage dämpft, da vermehrt gespart und nur zögernd investiert wird. Dazu kommt verstärkend die restriktive Kreditvergabe der durch diese Entwicklung in einigen Ländern angeschlagenen und vorsichtiger agierenden Banken und das Vorsorgesparen der die Arbeitsmarktentwicklung pessimistisch einschätzenden privaten Haushalte. Unter diesen Rahmenbedingungen erwiesen sich auch tra­ ditionelle Instrumente der Konjunkturankurbelung wie Zins­ senkungen in den USA als relativ wirkungslos, insbesondere da die US-Zentralbank die Tiefe der Rezession, die erst durch die Umstellung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung 3