Wirtschaft und Gesellschaft 1 9. Jahrgang (1 993), Heft 4 jüngste Studie ("Industriepolitik 111", 1991) ist durch die Bemühungen geprägt, alle Kapitalmärkte und Finanzierungs­ formen zu nutzen, um es den Unternehmen selbst und ohne Vorgaben zu ermöglichen, die bestmögliche Strukturanpas­ sung und Eigentümerstruktur zu finden. Auch andere, jünge­ re Beiratsstudien, wie etwa zu den Themen "Finanzmärkte" , "Wachstumsorientierte Strukturpolitik" , "Qualifikation 2000" oder "Internationalisierung" zeugen von der bereits eingetretenen U morientierung. Die Stabilitätsinitiative der Sozialpartner vom Herbst 1993, mit welcher diese gemeinsam mit Regierung und Notenbank einen Weg aus der schwierigen Konjunktur- und Arbeits­ marktlage finden wollen, ist ein weiteres Beispiel dafür, daß die Sozialpartner bereit sind, weiterhin gesamtwirtschaftliche Veranwortung zu übernehmen und zu einer Stabilisierung und Verstetigung der Wirtschaftslage beizutragen. Eine wesentliche Vorleistung dafür erbrachten die Sozial­ partner, insbesondere die Gewerkschaften, mit dem rich­ tungsweisenden Abschluß des Kollektivvertrages der Metall­ arbeiter. Mit einer für viele Beobachter überraschend raschen und entschlossenen Vorgangsweise haben die Sozialpartner damit nicht nur Handlungs- und Innovationsfähigkeit bewie­ sen, sondern auch ein wichtiges Signal gesetzt, mit dem die Reputation Österreichs für Berechenbarkeit und Verantwor­ tungsbewußtsein seiner wirtschaftspolitischen Entschei­ dungsträger sowohl nach innen als auch international ein­ drucksvoll unter Beweis gestellt wurde. Der Korporatismus hat nie in einer einheitlichen, idealtypi­ schen Form existiert, sondern in den unterschiedlichsten Aus­ prägungen. Er ist deshalb sicher nicht am Ende, da starke Ver­ bände, die mehr am Gesamtwohl als an Partikularinteressen orientiert sind, auch in Zukunft eine wesentliche Rolle für die Stabilisierung von Vertrauen, Erwartungen und damit der Wirtschaftsentwicklung und auch der Wettbewerbsfähigkeit spielen werden. Um diese Rolle erfolgreich erfüllen zu können, bedarf es si­ eherlieh noch einer Stärkung des Bewußtseins, insbesondere innerhalb der Verbände, für die noch bevorstehenden enor­ men Veränderungen. Bislang hat die Österreichische Sozial­ partnerschaft bewiesen, daß eine ihrer Stärken gerade in der Anpassungsfähigkeit und Veränderbarkeit - bei Wahrung der bewährten Prinzipien - liegt, sodaß unter den Bedingungen immer komplexer werdender internationaler Verflechtungen eine optimale Form der institutionellen Gestaltung der Politik und des Zusammenwirkens von Verbänden, Staat und supra­ nationalen Entscheidungsinstanzen gefunden werden kann. 422