1 9. Jahrgang (1 993), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft Zentralisierung der Lohnsetzung, Reallöhne und Beschäftigung Kommentar zu K. 0. Moene Michael Mesch Prof. Moene weist mit Recht darauf hin, daß die Zentralisierung der Lohnverhandlungen mehrere Dimensionen aufweist. Befassen wir uns zunächst mit den unterschiedlichen Auswirkungen von Lohnverhand­ lungen auf Betriebsebene, auf Branchenebene und auf gesamtwirt­ schaftlicher Ebene auf Reallöhne, Beschäftigung und andere makroöko­ nomische Variablen. 1. Die vertikale Dimension der Zentralisierung e Unter den Annahmen von endogenen Produktpreisen und vollständi­ ger Konkurrenz gehen von dezentralen und von zentralen Lohnver­ handlungen in gleichem Maße Anreize für moderate Lohnforderungen aus, da jeweils der reale Konsumlohn und der Produktreallohn über­ einstimmen und die Gewerkschaften mithin jeweils die vollen Konse­ quenzen der Lohnerhöhungen in Form von Beschäftigungseinbußen zu tragen haben. Auf der Branchenebene hingegen kann ein Teil der Lohnerhöhung auf die Preise überwälzt werden. Der reduzierte An­ stieg des Produktreallohns dämpft den Beschäftigungsverlust. Han­ deln alle Branchengewerkschaften gleichartig, so resultiert ein höhe­ rer Reallohn und eine geringere Beschäftigung als bei völliger Dezen­ tralisierung oder völliger Zentralisierung. Zwischen Zentralisierung und Reallohn besteht somit ein Zusammenhang in Gestalt eines auf den Kopf gestellten "U". (1) 451