1 9. Jahrgang (1 993), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft Allerdings, und dies ist ein tentativer Tribut an die Insider-Outsider­ Theorie, gibt es auch Schattenseiten eines solchen Systems. Wer zum Beispiel aufgrund eines negativen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage­ oder Angebotsschocks aus dem Netz von langfristigen Vertragsbezie­ hungen der Stammbelegschaften herausfällt, kommt sehr schwer wieder hinein: Die Gefahr der Langzeitarbeitslosigkeit ist die häßliche Kehr­ seite eines Systems von Arbeitsvertragsbeziehungen, das hohe "turn­ over-costs" zuläßt. Generell läßt sich sagen, daß die Beschäftigung in einem solchen System "träger" auf Schocks reagiert. Dies mag bei kleineren Abwei­ chungen von einem an sich stabilen Wachstumspfad ein Vorteil sein, was man gerne vergißt zu erwähnen. Bei größeren, langanhaltenden Störun­ gen können die Nachteile dominieren, weil sich Arbeitslosigkeit verfe­ stigt und eine Spaltung der Gesellschaft droht. In einer solchen Situa­ tion, in einer kleinen, offenen Volkswirtschaft, halte ich jedoch eine ge­ samtwirtschaftlich verantwortungsbewußte Lohnpolitik der Gewerk­ schaften für die ungleich konstrukti vere und erfolgversprechendere Strategie, als durch den Abbau von Bestandsschutzrechten eine hire and fire-, Job-Hopper- und Taglöhner-Mentalität heranzuzüchten. Voraus­ setzung einer verantwortungsvollen Lohnpolitik ist natürlich, daß jene, die vergleichsweise sichere Arbeitsplätze haben, bereit sind, Solidarität zu üben. Es ist das Verdienst der Studie von Snower, aufgezeigt zu ha­ ben, das dies nicht selbstverständlich ist. 475