1 9. Jahrgang (1 993), Heft 4 ARBEITSLOSE UND OFFENE STELLEN Rezension von: J osef Christi, The Unemployment/Vacancy Curve. Theoretical Foundation and Empiri­ cal Relevance. Studies in Empirical Economics, Physica-Verlag, Heidel- berg 1992, 152 Seiten, DM 98,-. Der jüngste rezessionsbedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit erfolgte in den meisten OECD-Ländern von einem Ausgangsniveau, das weit höher als in der Vergangenheit lag. So stieg die Arbeitslosenrate in der EG in der ökonomischen Schwächeperi­ ode zu Anfang der achtziger Jahre von 6 Prozent auf über 10 Prozent, fiel aber trotz des Booms zu Ende der achtziger Jahre nur auf einen Wert von über 8 Prozent im Jahr 1990 zurück. Verschiedene Indikatoren deuteten darauf hin, daß sich Zeichen der Arbeitsmarktspannung nunmehr bereits bei höherer Arbeitslosigkeit manifestieren. Als einer dieser Indi­ katoren fungiert die inverse Relation zwischen Arbeitslosen und offenen Stellen, die durch die sogenannte Be­ veridge-Kurve, benannt nach dem britischen Ökonomen und einflußrei­ chen Regierungsberater William H. Lord Beveridge (1879-1963) , abgebil­ det wird. In fast allen OECD-Ländern hat sich die Beveridge-Kurve (oft auch als U/V-Kurve bezeichnet, in den achtziger Jahren ungünstig ver­ schoben; selbst mehr offene Stellen sind mit mehr Arbeitslosen als früher verbunden. Der Matching-Prozeß am Arbeitsmarkt, also das "Zusammen­ finden und Zusammenpassen" von Arbeitslosen und vakanten Arbeits­ plätzen, scheint daher erheblich schwieriger geworden zu sein. Dies gilt, wie das Buch von Christi in ein- Wirtschaft und Gesellschaft drucksvoller Weise bestätigt, leider auch für Österreich. Christi legt in seiner Arbeit, mit der er sich an der Wirtschaftsuniversität Wien für das Fach Volkswirtschafts­ lehre habilitiert hat, die theoretisch­ konzeptiven Grundlagen der Beverid­ ge-Kurve dar und präsentiert eine de­ taillierte empirische Analyse der ag­ gregierten Matching-Funktion und der U/V-Kurve für Österreich. Das Buch ist didaktisch gut aufge­ baut. Die erste Hälfte der Arbeit ist der systematischen Entwicklung des theoretischen Gerüsts der Analyse ge­ widmet. Zunächst wird das Konzept der Beveridge-Kurve erläutert, daran schließt eine Darstellung, wie selbst friktionsfreie Teilmärkte im Aggregat zu einer U /V -Relation führen können, sowie eine knappe Übersicht zu den existierenden U ngleichgewichtsansät­ zen. Im theoretischen Hauptteil disku­ tiert Christi die Suchprozesse von (ar­ beitslosen) Arbeitnehmern und von Arbeitgebern sowie die Eigenschaften der Matching-Technologie. Ganz ana­ log zu einer Produktionsfunktion wird dabei unterstellt, daß aus den beiden Inputs Arbeitslose und offene Stellen als Output Neueinstellungen produ­ ziert werden. In Weiterführung dieser Analogie kann dann auch gefragt wer­ den, ob ein derartiger Produktionspro­ zeß konstante Skalenerträge aufweist. Christi beschreibt, wie sich Verände­ rungen in der Suchintensität, den Suchkosten, dem Reservationslohn­ satz, der Verteilung der Angebotslöh­ ne und der regionalen bzw. berufli­ chen und qualifikatorischen Dispa­ ritäten auf die Lage der U/V-Kurve auswirken; die komparativ-?tatischen Ergebnisse werden dabei auch durch Simulationsresultate illustriert. Ein eigener Abschnitt ist dem Hysteresis­ Phänomen gewidmet, wobei Christi sein Hauptaugenmerk auf die Überle­ gung richtet, wonach Dequalifika­ tionsprozesse von längere Zeit arbeits­ losen Personen deren Wiedereinstel­ lung zunehmend erschweren. 585