1 9. Jahrgang (1 993), Heft 4 THEORIE DER STABILITÄT UND DES WANDELS VON INSTITUTIONEN Rezension von: Douglass C. North, Institutionen, institutioneller Wandel und Wirtschaftsleistung, J. C. B. Mohr, Tübingen 1992, 180 Seiten, DM 1 18,-. Douglass C. North, Professor an der Washington University in St. Louis, erhielt am 1 0 . Dezember 1993 gemein­ sam mit Robert W. Fogel den Nobel­ preis für Wirtschaftswissenschaften. In der Begründung der Königlich­ Schwedischen Akademie der Wissen­ schaften heißt es, N orth und Fogel hätten vor allem durch die Anwen­ dung theoretischer und quantitativer Methoden zur Erklärung wirtschaftli­ cher und institutioneller Veränderun­ gen die Erneuerung ihres Forschungs­ zweiges vorangebracht. North machte sich durch seine For­ schungsarbeiten über die langfristige Wirtschaftsgeschichte der USA und Europas einen Namen, wobei er in er­ ster Linie die Funktion von Institutio­ nen für wirtschaftliches Wachsturn untersuchte. (1) Relative Preisände­ rungen seien die Ursache institutio­ nellen Wandels, und die konkrete Aus­ gestaltung der Institutionen determi­ niere die Wirtschaftsleistung. In dem 1981 erschienenen Band "Structure and Change in Economic History" (deutsch 1988: Theorie des institutio­ nellen Wandels) ging North von der bislang verwendeten effizienten Er­ klärung von Institutionen (d. h. Verän­ derungen der relativen Preise schaffen Anreize zur Einrichtung effizienterer Institutionen) ab . Herrscher schufen Eigentumsrechte in ihrem eigenen In­ teresse, und hohe Transaktionskosten sorgten dafür, daß in der Regel ineffi- Wirtschaft und Gesellschaft ziente Eigentumsrechte überwogen. Auf diese Weise wird das im gesamten Verlauf der Geschichte und auch in der Gegenwart weit verbreitete Vor­ handensein von Eigentumsrechten, welche kein Wirtschaftswachstum er­ zeugen, erklärt. Warum sorgte aber nicht der Wett­ bewerbsdruck für die Beseitigung in­ effizienter Institutionen? Wie können die höchst unterschiedlichen Leistun­ gen verschiedener Wirtschaften über lange Zeitspannen hinweg erklärt werden? Im vorliegenden Band, dessen englisches Original (Institutions, Insti­ tutional Change and Economic Perfor­ mance) 1990 veröffentlicht wurde, versucht North die Beantwortung die­ ser Fragen. Er entwirft eine allgemei­ ne Theorie des Zusammenhangs zwi­ schen den politischen und wirtschaft­ lichen Institutionen einer Gesellschaft einerseits und ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit andererseits. Da­ bei werden die Einsichten aus North's früheren wirtschaftsgeschichtlichen Untersuchungen zur Entwicklung der westlichen Gesellschaften mit den Er­ kenntnissen der modernen Institutio­ nen-Ökonomie verbunden. Unter dem Begriff Institution ist jegliche Art von Beschränkung, die Menschen zur Gestaltung menschli­ eher Interaktion ersinnen, zu verste­ hen. Diese Beschränkungen können formlos oder formgebunden sein. Formlose Beschränkungen wie Sitten und Gebräuche, Überlieferungen und Gepflogenheiten sind durch vorsätzli­ che Politik nur schwer zu beeinflus­ sen. Formgebundene Regeln umfassen politische und judizielle Regeln, wirt­ schaftliche Regeln (Eigentumsrechte) und Verträge. Ein System von Eigentumsrechten definiert die Entscheidungsgewalt über wirtschaftliche Ressourcen, legt die Zeithorizonte für Investition und Produktion fest, umreißt die erlaubten Arten der Verwendung von Ressour­ cen, regelt die Bedingungen des Tau­ sches (getauscht werden nicht bloß 603