1 9. Jahrgang (1 993), Heft 4 mende Erträge und unvollkommene Märkte, welche an hohen Transakti­ onskosten kenntlich sind. Vielfältige Mechanismen der Selbstverstärkung werden wirksam: Hohe Gründungsko­ sten der Institutionen, signifikante Lerneffekte für Organisationen, die Entwicklung neuer, die institutionell vorgegebenen Möglichkeiten zu ihrem Vorteil nutzenden Organisationen, die Koordinationseffekte und die Entste­ hung zahlreicher formloser Beschrän­ kungen aus dem bestehenden System der formgebundenen Regeln erzeugen massive zunehmende Erträge des ge­ gebenen institutionellen Rahmens. Wenn zudem die Transaktionskosten erheblich sind und die Informations­ rückkopplung bruchstückhaft ist, so determinieren der Informationsstand und die subjektiven Modelle (Ideolo­ gien) der verhandlungsstärksten Ak­ teure den Entwicklungsverlauf einer Gesellschaft. Daraus ergibt sich die Verbindung des verlaufsabhängigen Charakters der schrittweisen Veränderung von In­ stitutionen mit der Dauerhaftigkeit von Mustern langfristigen Wachstums oder Niedergangs: Sobald ein Ent­ wicklungspfad eine bestimmte Rich­ tung einschlägt, bestätigen ihn darin die Externalitäten des bestehenden In­ stitutionensystems, die Lernprozesse von Organisationen und die subjekti­ ven, historisch gewonnener Wahrneh­ mungen der Akteure. Einzelne institu­ tionelle Veränderungen können zwar einen historischen Verlauf beeinflus­ sen, aber zu allermeist nicht umkeh­ ren. Geschichte ist verlaufsabhängig. Dies bedeutet, daß Entscheidungen von heute nicht verstanden werden können, ohne die schrittweise Ent­ wicklung von Institutionen erkundet zu haben. Im Laufe der Geschichte wurden vorwiegend unproduktive Pfade wei­ ter verfolgt. North illustriert dies an­ hand einiger historischer Beispiele: an der Gegenüberstellung der Entwick­ lungen während der frühen Neuzeit in Wirtschaft und Gesellschaft Spanien und Portugal einerseits, in den Niederlanden und in England an­ dererseits, am Vergleich der Entwick­ lungspfade Lateinamerikas und der britischen Kolonien bzw. der Verei­ nigten Staaten im 18 . und 19 . Jahr­ hundert. An dieser Stelle soll ein anderes Beispiel, nämlich jenes der jüngeren Geschichte der schwarzafrikanischen Staaten, die Bedeutung der Institutio­ nen für die wirtschaftliche Entwick­ lung vor Augen führen (4) . Die politi­ schen Eliten der jungen afrikanischen Nationalstaaten sahen sich mit hohen Erwartungen der Bevölkerung, insbe­ sondere der städtischen, in bezug auf die Anhebung des Lebensstandards konfrontiert. Entsprechend den domi­ nanten entwicklungspolitischen Dok­ trinen identifizierten sie die Industrie als Wachstumsmotor, entzogen der Landwirtschaft Ressourcen und kana­ lisierten sie in die Industrie. Adaptionen der Eigentumsrechte und vielfältige wirtschaftspolitische Eingriffe des Staates dienten diesen Zwecken: 1.) Erzeuger landwirtschaft­ licher Exportprodukte hatten ihre Ern­ ten an monopsonistische staatliche Vermarktungsgesellschaften zu ver­ kaufen, wobei letztere die Produzen­ tenpreise unter dem Weltmarktniveau festsetzten. Damit kontrollierte die po­ litische Elite die wichtigste Devisen­ quelle und sicherte sich eine zusätzli­ che Rente. Dieser Ressourcentransfer aus der Landwirtschaft wurde nicht durch Staatsausgaben in gleichem Aus­ maß kompensiert. 2.) Mehrere Maß­ nahmen zielten darauf ab, das inländi­ sche Nahrungsmittelpreisniveau zu drücken: Überbewertung der Währung, zollfreie Importe, Festsetzung von An­ kaufspreisen monopsonistischer staat­ licher Vermarktungsgesellschaften un­ ter Marktniveau etc. 3.) Selektive Steu­ ernachlässe, subventionierte Kredite, begünstigte Importe von Kapitalgü­ tern, Zölle usw. schützten die Indu­ strieunternehmungen vor "ruinösem" Wettbewerb im Inland, d. h. förderten 605